Empfehlenswertes · Streifzüge

Ganz auf der grünen Schiene – der High Line Park in New York

Wer New York als Reiseziel plant, hat in der Regel andere Visionen als grüne Parks oder offene Gärten. Ein Blick vom Empire State Building auf die gigantische Kulisse der Millionenstadt, der Gang auf der Brooklyn Bridge über den East River, das Rockefeller Center, eine Schiffstour zur Freiheitsstatue oder der schrille, bunte Times Square bei Nacht, gehören zu den ersten Attraktionen einer Reise. Vielleicht gefolgt vom Besuch des Guggenheim Museums oder des Museums of Modern Art. Schaut man hinter die hohen Fassaden, entdeckt man zahlreiche grüne Kleinode. Gemeint ist damit nicht nur der bekannte Central Park in Manhattan.

Wie in vielen Großstädten geht auch in New York der Trend zu mehr Natur. Tausende Bäume wurden in den letzten Jahren gepflanzt, das Radwegenetz ausgebaut. Es gibt einen deutlichen Trend zur eigenen Hühnerhaltung auf Balkonen und Bienenpflege in den Hinterhöfen. Mit 21.000 Hektar Gärten und Parks ist New York die grünste Großstadt der USA. Insgesamt leben hier mehr als 700 verschiedene Tier- und Pflanzenarten. Es gibt vieles zu sehen und noch mehr zu entdecken.

Der High Line Park

Im Westen von Manhattan liegt ein ganz besonderes grünes Kleinod, der High Line Park. Auf einer Länge von etwa 2,5 Kilometern und einer Breite von rund 20 Metern schwebt er in luftiger Höhe zehn Meter über den Straßen des Viertels. Die einstige Hochbahntrasse wurde im Jahr 1929 gebaut, damit Güterzüge Frachten und Waren in die entlang der Gleise liegenden Geschäfte, Fabriken und Lagerhäuser liefern konnten. Im Laufe der Jahre übernahmen immer mehr Speditionen den Warenverkehr und so wurde die alte Gleisstrecke nach und nach immer weniger genutzt. Der letzte Güterzug verkehrte im Jahr 1980. Die einst wichtige Trasse blieb sich selbst überlassen und immer mehr anliegende Geschäfte und Firmen schlossen ihre Tore. Die Gegend verarmte, verfiel und entwickelte sich zum Problemviertel. Doch entlang der alten, rostigen Schienen entstand im Laufe der Jahre eine eigene Ökologie. Gräser, Gehölze und Wildblumen siedelten sich an und eine Vielzahl von Vögeln und Insekten entdeckten die alte Bahnstrecke als Lebensraum. Längst stand der Abriss der Trasse fest, als zwei der Anwohner die Idee hatten, die High Line zum Park auszubauen. Gemeinsam wehrte man sich gegen die Abrisspläne der Stadt, mobilisierte weitere Nachbarn und die New Yorker Prominenz. Es gründete sich eine Initiative, der es gelang,  Millionen Dollar zum Erhalt der Trasse und dem Ausbau der grünen Oase zu sammeln. Mit der Gestaltung wurde der Holländer Piet Oudolf beauftragt, der es verstand, die Besonderheit und Einzigartigkeit der Anlage hervorzuheben und eine blühende und natürliche Landschaft zu erschaffen. Zwischen 2009 und 2011 wurden alle Bereiche des Parks für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Heute wandelt man in luftiger Höhe entlang der alten Schienen durch eine faszinierende Natur. Überall gibt es Ruhezonen und Sitzgelegenheiten. Touristen genießen die Grünanlage genauso wie Sportler, junge Familien oder die New Yorker Geschäftswelt. Rund um die grüne Ader hat sich eine neue Szene entwickelt. Hier finden Führungen, Workshops, Konzerte und Kunstausstellungen statt. Galerien, Cafés und In-Restaurants haben sich angesiedelt, außerdem sind viele schicke Wohnblocks entstanden. Heute gilt die High Line als eine der großen Attraktionen der Stadt.

Lage: Zwischen Gansevoort Street und West 20th Street. Zugänge gibt es durch Treppen und/oder Aufzüge an der Gansevoort Street und Washington Street.

Öffnungszeiten: Im Frühjahr und Herbst von 7.00 Uhr – 21.00 Uhr, im Sommer von 7:00 Uhr – 23.00 Uhr, im Winter von 7:00 Uhr bis 19:00 Uhr

Eintritt: kostenlos

Wer sich auf Gartenreise in die faszinierende Großstadt machen möchte, findet auf 389 Seiten gute Vorschläge in englischer Sprache: „Garden Guide New York City“, ISBN 978-0-393-73307-5

4 Kommentare zu „Ganz auf der grünen Schiene – der High Line Park in New York

  1. Hallo Carmen,

    einfach schön! So etwas will man doch lesen! Das macht doch Mut für mehr, ähnliche Dinge anzupacken und sich nicht von den ständigen Hiobsbotschaften, die man sonst überall hört und liest, zermürben zu lassen.
    Für mich seid ihr die wahren Sieger des Gartenbuchpreises!
    Lieber Gruß
    Katrin

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    1. Liebe Katrin,
      wir freuen uns sehr über dein Kompliment! Vielen Dank!
      Wie wunderbar ist es doch, dass wir alle eine gemeinsame Begeisterung teilen!
      Herzliche Grüße von uns BeetSchwestern! 🙂

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  2. Es ist zwar immer schade, dass es überhaupt zu solchen „Umständen“ kommen muss um ein wenig Grün zu haben aber man muss den Amis und generell Großstädtlern eingestehen, dass sie min. genauso kreativ sind etwas zu erhalten wie darin es zu zerstören. Diese Dach-, Balkon-, Hinterhofgärten sehen einfach immer sooooo schön aus! Ich liebe diese sauber gepflegten Anlagen bei denen sich die Besitzer noch Mühe geben! Weiter so 😉

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    1. Hallo Simon, beim Beispiel High Line ist es der spannende und völlig krasse Gegensatz von der immer lauten, geschäftigen Großstadt zur wohltuenden, ruhigen, blühenden Oase. Wenn du über die High Line läufst, bist du plötzlich umgeben von Vogelgezwitscher. Eine Wohltat für die Ohren 🙂

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