Gärtnern · Schreiberei

Gartenladies

Heute möchte ich über eine englische Gartenlady berichten, die eigentlich nur durch ihre Schrulligkeit und ihre Exzentrik in Erinnerung geblieben ist.

Ellen Willmott wurde am 19.08.1858 als erste von drei Töchtern eines reichen Paares in Heston, Middlesex geboren. Die Eltern waren ihrer Zeit voraus und schickten ihre drei Töchter zu einer exklusiven Schule. Die Bildung höherer Töchter erfolgte sonst durch Hauslehrer, die Inhalte drehten sich mehr oder weniger um Haushaltsführung, Musik und Klavierspiel. Die Eltern waren ambitionierte Gärtner und steckten Ellen schon früh mit diesem Virus an. Zu ihrem 21. Geburtstag wurde ihr erlaubt einen Steingarten anzulegen.

Unter Gärtnern darf man sich allerdings nicht vorstellen, dass sich Ellen Willmott und ihre Eltern selbst betätigten. Dafür gab es in den besten Jahren mehr als 100 Gärtner auf dem Landsitz Warley  Place. Ellen Willmott soll eine sehr strenge und eigensinnige Person gewesen sein. Alles hatte genau nach ihren Vorstellungen und ihrem Geschmack zu geschehen, ihr Urteil war Gesetz.

Durch eine Erbschaft kam sie in die Lage sich leisten zu können,  was sie wollte: eine Villa mit Garten in Italien, die finanzielle Unterstützung der Expedition des Pflanzenjägers „China“ Wilson sowie unendliche Pflanzenkäufe zur Ausstattung der Gärten auf Warley Place. Sie war eine Pflanzensammlerin.

1894 trat sie der Royal Horticultural Society bei und arbeitete in verschiedenen Committees mit – unter anderem für Narzissen und Lilien. Ellen Willmott war eine von zwei Frauen,  die im Jahr 1897 die Victoria Medal of Honour erhielt. Die andere Frau war Gertrude Jekyll.

Sie publizierte auch einige Gartenbücher.  Warley Garden in Spring and Summer, 1909, und Genuss Rosa zwischen 1910 und 1914. Für die Bilder des Rosenbuchs beauftragte sie den Maler Alfred Parsons.

Selbst der Hochadel besuchte ihren Garten in Warley Place. Queen Mary, Queen Alexandra und Princess Victoria waren ihre Gäste.

Über 60 Pflanzen wurden nach ihr benannt, sie tragen alle Bezeichnungen wie Willmottiae, Willmottianum, Warley oder Warleyensis im Namen.  Zum Beispiel: Potentilla nepalensis `Miss Willmott`.

Aber die bekannteste Pflanze ist die Elfenbeindistel Eryngium giganteum, : Miss Willmotts Ghost, die nach ihr benannt wurde. Es wird erzählt, dass sie immer eine Hand voll Distelsamen  in ihrer Tasche hatte. Bei Gartenbesuchen ließ sie wie unabsichtlich einige davon in die Staudenbeete der Gastgeber gleiten um die Gartenbesitzer in Misskredit zu bringen. Dort entwickelte sich im ersten Jahr nur eine unscheinbare Blattrosette. Im zweiten Jahr erschien dann die dekorative Distel.

Durch die Folgen des ersten Weltkriegs verarmte Miss Willmott und musste alles verkaufen. Sie wurde immer exzentrischer und wurde sogar einmal wegen Ladendiebstahls verhaftet. Sie starb einsam und allein am 27.09.1934. Ihr geliebter Garten verfiel. Haus und Garten wurden abgerissen und zu einem Landschaftsschutzgebiet umgewandelt.

Aber ihr Geist zieht weiter durch die Gärten. Überall wo eine Elfenbeindistel auftaucht, muss sie dagewesen sein.

 

Quellen: Wikipedia Großbritannien, The pursuit of Paradise, a social History of Gardens, von Jane Brown, Bericht von Jane Brown am 10.09.1999 im Independent

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