Auf unserer Reise durch die Toskana durfte ein Besuch in einem Zitronengarten nicht fehlen. Uns so haben wir das Hesperidarium – den weltweit ersten botanischen Park für Zieragrumen (italienisch agrumi ‚Sauerfrüchte‘) in Pescia besucht. Dort knüpft die traditionsreiche Zitrusgärtnerei Oscar Tintori an alte Kulturgeschichte an und pflegt die jahrhundertealten Medici-Sammlungen. Zur spannenden Geschichte dieser Gärtnerei später mehr.



Zwischen sanften Hügeln, alten Villen und duftenden Gärten gehören Zitrusfrüchte selbstverständlich zur Toskana. Dabei begann ihre Geschichte in Italien eigentlich viel weiter südlich: Araber brachten Orangen, Zitronen und andere Zitrusarten bereits um 850 nach Christus über Sizilien ins Land. Das milde Klima und die warmen Meeresbrisen schufen ideale Bedingungen für ihren Anbau.



In der Toskana selbst begann die große Leidenschaft für Zitruspflanzen während der Renaissance. Vor allem die Medici entdeckten die exotischen Früchte für sich und machten sie zum Statussymbol für Wohlstand, Macht und guten Geschmack. Ab dem 15. Jahrhundert wurden in den Gärten ihrer Villen die ersten Zitronen- und Orangenbäume kultiviert – damals noch echte Raritäten.



Da die toskanischen Winter für die empfindlichen Pflanzen oft zu kühl waren, entstanden mit der Zeit die berühmten Orangerien. In diesen kunstvoll gestalteten Gewächshäusern überwinterten die Bäume geschützt in großen Terrakottatöpfen – eine Tradition, die bis heute gepflegt wird.



Unter den Medici entwickelte sich regelrecht eine „Citromania“. Besonders im 16. und 17. Jahrhundert entstanden prachtvolle Zitrusgärten mit beeindruckender botanischer Vielfalt. Künstler hielten die außergewöhnlichen Früchte in Gemälden fest, und die Sammlung exotischer Sorten wurde zu einer eigenen Kunstform.



Auch die Geschichte der traditionsreichen Gärtnerei Oscar Tintori ist eng mit der langen Zitrustradition der Toskana verbunden. Bereits in der 4. Generation widmet sich die Familie Tintori mit großer Leidenschaft dem Anbau besonderer Zitruspflanzen. Ursprünglich lebte die Familie, wie viele Betriebe rund um Pescia, vom Blumenanbau. In den 1960er Jahren kaufte sie ein altes Anwesen, das bis heute der Sitz der Gärtnerei ist. Dort wuchs an der Südwand des Bauernhauses ein beeindruckendes Zitronenspalier, das die Familie sehr liebte. Großvater Oscar Tintori begann, aus Stecklingen neue Zitronenbäume zu ziehen und sie an Freunde und Verwandte zu verschenken. Der entscheidende Wendepunkt kam bei einer Blumenausstellung in Pescia: Einige der ausgestellten Zitronenpflanzen fanden so großen Anklang, dass daraus eine neue Idee entstand. In den 1970er Jahren traf die Familie schließlich eine mutige Entscheidung und gab den Blumenanbau vollständig auf, um sich ganz auf Zitruspflanzen zu spezialisieren.



Was damals ein Risiko war, entwickelte sich über die Jahrzehnte zu einer echten Erfolgsgeschichte. Heute steht die Gärtnerei Tintori weit über die Toskana hinaus für außergewöhnliche Zitrusvielfalt und bewahrt zugleich ein Stück lebendige Gartenkultur der Medici-Zeit, ein Stück lebendige Renaissancegeschichte. Diese alten toskanischen Sorten und andere Raritäten aus der ganzen Welt sind Teil dieser beeindruckenden Sammlung, die inzwischen mehr als 200 Sorten hat, bei der der Schwerpunkt nicht im Geschmack der Zitrusfrüchte liegt, sondern auf besonderm Aussehen.



Einen Besuch des Hesperidariums empfiehlt sich sehr. Es hat täglich geöffnet, nur während der Mittagspause zwischen 12 und 14 Uhr geschlossen. Die Mitarbeitenden sprechen sehr gut Englisch und Deutsch. Ein Parkplatz ist vorhanden.
Dieser Beitrag ist aus Begeisterung und Freude an dem Thema entstanden und keine bezahlte Werbung.
Was für ein schöner Reisebericht in die Welt der Zitrusfrüchte in der Toskana. Gut fundiert und historisch recherchiert. Es entstehen sofort die Bilder von unseren Reisen durch die Toscana. Dem Besuch eines geheimen Gartens bei San Galgano. Danke für den Bericht! K.H.Kimpen
LikeLike