Schreiberei

Heimat

Dichter und Liedermacher haben sie beschrieben und besungen, Maler haben Heimat als Landschaft oder Ort festgehalten und Fotografen haben sie abgelichtet. Heimat scheint im ersten Moment ganz einfach und erklärbar zu sein.

Doch kaum ein Wort ist mit Begriffen so gefüllt. In unserer Zeit der Globalisierung, der Digitalisierung, der Veränderung, der Möglichkeit zu Reisen und stets auf „Achse“ zu sein, Kulturen kennenzulernen, der Möglichkeit heute hier und morgen woanders leben zu können oder zu müssen, ist Heimat etwas individuelles und ganz persönliches.

  • Heimat als ein Ort, in dem man geboren wurde und aufgewachsen ist. Wo Familie und Freunde leben, wo man zur Schule geht, sich die Welt erobert, Vereinsleben stattfindet, einem Geräusche und Gerüche vertraut sind und der Akzent oder Dialekt zum Wohlbefinden dazugehört. Der Ort, der zur eigenen Identität beiträgt.
  • Heimat als ein Ort, ein Land oder eine Landschaft, die man erst im Laufe des Lebens kennen, schätzen und lieben gelernt hat.
  • Heimat als ein Ort, zu dem man eine emotionale Bindung hat, an dem man sich sicher fühlt und frei, sich selbst verwirklichen kann und sich an– und aufgenommen fühlt.
  • Heimat als ein Ort, wo man gemeldet ist, wo man Unterstützung bekommt, wenn sie notwendig ist.
  • Heimat als kein Ort, sondern als Sprache die wir sprechen, Kultur mit der wir uns identifizieren, Tradition die wir pflegen, Religion die uns trägt und dem Essen, das wir mögen.
  • Heimat als einen Ort, den wir teilen möchten.
  • Heimat als ein Ort der Eingrenzung oder Ausgrenzung, aus der ich mich verabschieden muss, um neue Wege zu gehen, mich zu befreien, damit ich sein kann wie ich sein will.

Das Land in dem wir leben, ist äußerst vielseitig. Im Norden befinden sich die Küsten von Nord- und Ostsee, teils mit breiten weißen Sandstränden und wilden Dünenlandschaften, teils mit Steilküsten, Kreideküsten und windzerklüfteten baumgesäumten Stränden. Im Süden heben sich die schneebedeckten hohen Gipfel der Alpen vom Horizont ab. Und dazwischen begegnet man den unterschiedlichsten Landschaften. Flüsse und Seen, dichte Wälder, landwirtschaftlich genutzte Flächen und hügelige Mittelgebirge bieten unterschiedlichste Reize. So unterschiedlich wie die Landschaften, sind auch ihre Baustile. Reetgedeckte Friesenhäuser im Norden, schmucke Fachwerkhäuser in Mitteldeutschland und stolze bayerische Holzhäuser prägen das Bild der Gegenden. Traditionelle Handwerkskunst zeichnet diese Baustile aus, hat seine Geschichte und ist den Gegebenheiten der Region angepasst.

Deutschland ist geprägt durch die Vielfalt unterschiedlichster kultureller Einflüsse. Traditionelle Feste wie Karneval, Wein-, Heimat- oder das berühmte Münchner Oktoberfest gehören zum Jahresverlauf dazu. Das Vereinsleben ist aktiv wie kaum irgendwo auf der Welt. Die Schützen, die Kegler, Angler, Modellbauer, Kaninchen-, Tauben- oder Hühnerzüchter, die Landfrauen, die Kleingärtner oder Karnevalisten, die Chöre, Musiker, Tanzgruppen, die Kirmes- und Heimatvereine, Denkmalschützer, die Multikulturvereine, die Menge an unterschiedlichsten Sportvereinen sowie eine bunte, breite Kunstszene sind Bastionen von Heimat und bieten jedem Menschen die Möglichkeit, eigene Fähigkeiten zu entdecken, Interessen und Hobbys auszuüben, Ideen und Visionen zu verwirklichen und Traditionen zu pflegen.

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Die Tracht, die vielerorts noch zu gewissen Anlässen getragen wird, entwickelte sich bereits im 15. Jahrhundert aus der einfachen (Arbeits-)Kleidung der Bauern und Bäuerinnen und zeigt auf, aus welcher Region, aus welcher Zeit, welcher Konfession und welchem sozialen Status der Träger oder die Trägerin stammt. Sie gibt außerdem Auskunft über Wohlstand und Beruf.

So besteht z. B. die würdevolle Tracht der Nordfriesinnen aus einem dunkelblauen Rock, der aus mehreren Metern Stoff genäht ist. Darüber wird eine weiße, bestickte Schürze aus Batist getragen. Das dreieckige, farbige Schultertuch aus Seide, wird kunstvoll mit vielen Knopfnadeln am Mieder befestigt. Der filigrane Brustschmuck ist aus echtem Silber gefertigt. Er besteht, je nach Region, aus mehreren Knöpfen sowie einer mehrreihigen Gliederkette, in deren Mitte sich ein Amulett befindet, auf dem die Symbole Kreuz, Herz und Anker für Glaube, Liebe, Hoffnung stehen. Dazu kommt ein quadratisches Kopftuch, dem ein breites Samtband angesetzt ist. Dieses ist meist reich bestickt und mit Fransen besetzt. Dieses Tuch wird kunstvoll haubenartig geschlungen. Dessen Befestigung auf dem Haar der Trägerin gelingt nur mit Hilfe in die Kunst eingewiesener Friesinnen. Leider besitze ich kein Foto. Nach meinem nächsten Besuch in NF werde ich eins nachtragen.

Servus – ISBN 978-3-7104-0316-3

Das Dirndl „Vom Alltagskleid zum Festtagsgewand und wieder zurück – im 21. Jahrhundert erlebt das Dirndl eine ungeahnte Renaissance und hat heutzutage wieder einen Fixplatz in den Kleiderschränken modebewusster Frauen, ganz besonders – aber längst nicht nur im Alpenraum. Seine Entstehung liegt nur gut 200 Jahre zurück. Die französische Revolution, die Entdeckung der Natur, die Industrialisierung, die großen gesellschaftlichen Veränderungen des 18. und 19. Jahrhundert, spiegeln sich in diesem Kleidungsstück wieder. Dabei teilen Dindl und Tracht zwar Merkmale miteinander, sind aber nicht dasselbe…“ (Auszug aus: Das große kleine Buch „Das Dirndl“, gelebte Tradition, von Jakob Maria Berninger, erschienen im Servus-Verlag).

Das große kleine Buch erzählt, wie das Dirndl auf die Welt kam. In kurzen Kapiteln wird uns der Ursprung der Tracht vermittelt, deren Tradition, Weiterentwicklung und Emanzipation. Wir bekommen einen Einblick über das Traditionshandwerk der Dirndl-Herstellung, erfahren Wissenswertes über geeignete Stoffe und die gelungene Kombination geeigneter Stoffarten und Muster. Hier hat der Autor dem Traditionshaus Tostmann bei der Herstellung eines Dirndls über die Schulter geschaut. Wie aufwendig und kunstvoll dies ist, wird in Text und Bild veranschaulicht. Das Buchexemplar wurde mir freundlicherweise vom Verlag zu Rezensionszwecken zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

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„Gehse inne Stadt. Wat macht dich da satt, ne Currywurst“ (Herbert Grönemeyer)

Jede Region Deutschlands hat ihre eigenen Spezialitäten und ihre kulinarischen Eigenheiten. Vom Ostfriesischen Grünkohl über Birnen, Bohnen und Speck, Gurken aus dem Spreewald bis zum Thüringer Serviettenkloß, Dresdner Eierschecke, Bayerischem Topfenknödel, Württembergischen Spinatspätzlen und Westfälischen Schnippelbohnen mit Speck und Zwiebeln. Ganz zu schweigen von dem leckeren Döner um die Ecke.

Zuletzt noch ein Rezept zum Nachmachen:

Reibekuchen aus NRW

  • 12 große, geschälte Kartoffeln
  • 2 Eier
  • ca. 8 Esslöffel Mehl
  • 2-3 mittelgroße Zwiebeln
  • 2 Teelöffel Salz
  • etwas Pfeffer
  • reichlich Öl zum Braten

Kartoffeln auf der großen Reibe reiben, mit viel Salz und ein wenig Pfeffer würzen. Eier und klein gewürfelte Zwiebeln dazugeben. Mit dem Mehl bestäuben, so dass die Kartoffelmasse bedeckt ist. Alles ordentlich miteinander verrühren. Portionsweise Reibekuchen in reichlich Öl ausbacken und auf Küchenkrepp abtropfen lassen. Dazu passt Apfelmus oder rheinisches Rübenkraut, Schwarzbrot oder Pumpernickel 🙂 Guten Appetit!

4 Kommentare zu „Heimat

    1. Guten Morgen lieber Karl, ich freue mich, dass dir der Beitrag gefällt. Kommt gut und entspannt nach Hause. Es regnet in der Heimat. Es ist herrlich herbstlich! 🙂

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