Schreiberei · Therapeutisches Gärtnern

„Trete ein in meinen Garten….“


Trete ein in meinen Garten,
hier zu staunen, dort zu sichten,
dies und jenes auszulichten.
Komme, um im Tun und Warten
hier zu lösen, dort zu fassen,
dies und jenes zu belassen.
Muss mich immerfort entscheiden,
hier zu dämmen, dort zu düngen,
dies und jenes zu verjüngen.
Kann die Wahl wohl nicht vermeiden,
hier verschneiden, dort verletzen,
dies durch jenes zu ersetzen.
An der Pforte, schon im Gehen,
blicke ich noch kurz zurück:
im Erblühen, Auferstehen,
zieht sich, leicht zu übersehen,
hin durch Opferung und Ringen,
auch den Tod von vielen Dingen,
hin durch Werk von Lust und Schmerz
bis hinein zu mir ins Herz
eine Spur von tiefem Glück.
©Constantin Gröschel

 

Es gibt Menschen, denen es gelingt, durch in Lyrik verfasste Worte das Herz eines Lesers zu treffen. So ein Mensch ist Constantin Gröschel. Ich lernte ihn im Jahr 2014 in Berlin kennen, wo wir gemeinsam die Ausbildung zum Gardeniser (Organisator von Gemeinschaftsgärten, ein Projekt der Europäischen Kommission) gemacht haben. Seitdem hat er mich immer wieder mit seinen Gedichten berührt.

 

Auftrieb
Die Rankepflanze, die sich wand,
jedoch zu weit vom Baume stand,
strebte nach Halt an hohen Masten,
schien sich vergeblich vorzutasten,
griff suchend aus in jede Richtung
und fand doch nichts als leere Lichtung.
Da schließlich traf ein Spross den andern,
begann um ihn herum zu wandern.
Soeben noch im Wind gewirbelt,
waren die Triebe nun verzwirbelt.
Derart gestärkt den Baum erklommen,
fühlt sie sich heute angekommen:
die Lücke hat sie überwunden
und – nebenbei – zu sich gefunden.
©Constantin Gröschel

Constantin Gröschel war viele Jahre im Garten- und Landschaftsbau tätig. Zudem engagierte er sich u.a. als Familienbegleiter in einem Kinderhospiz und absolvierte an der Universität Rostock das Zertifikatsstudium „Garten & Gesundheit – Gartentherapie“. Seit 2016 ist er in Berliner Krankenhäusern in den Bereichen Psychosomatik und Psychiatrie tätig. Er bereichert den Klinikalltag als Gartentherapeut und natürlich mit seinen Gedichten. Siehe auch www.gartentrost.de

 

 

3 Kommentare zu „„Trete ein in meinen Garten….“

  1. Liebe Carmen,
    ich muss bekennen, bisher war Constantin Gröschel für mich kein Begriff! Das hat sich mit dem heutigen TAge geändert. Du sagt es ganz richtig, er berührt mit seinen Gedichten unser tiefstes Inneres!!! Vielen Dank fürs Vorstellen!!!

    Alles Liebe
    Heidi

    Gefällt mir

    1. Liebe Heidemarie,

      vielen Dank für dein Kommentar! Constantins Verse sind wirklich kleine Geschenke! Schön, innig, wärmend, tiefsinnig und oft mit einer Prise Humor! Gerne stelle ich an dieser Stelle noch ein Gedicht vor:

      „Wandelbar“
      Die Raupe macht sich auf zum Grasen –
      ihr Ziel: ein frischer Frühlingsrasen.
      Da liegt – was bildet der sich ein?
      – auf ihrem Weg ein fetter Stein!
      Sie reckt sich lang, sie reckt sich weit,
      allein: der Stein ist viel zu breit!
      Sie stellt sich quer, sie stellt sich schräg–
      der Stein steht ungerührt im Weg!
      Sie klettert emsig und behände,
      der Stein jedoch nimmt gar kein Ende!
      Schließlich besinnt sie sich, wenn auch recht spät,
      auf ihre ureigenste Qualität:
      Kehrt in sich ein, vergisst den Rasen, wird zur Puppe –
      und bald darauf ist so ein Stein ihr völlig schnuppe!

      ©Constantin Gröschel

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