Gärtnern · Kräuterwissen

Gärtnern mit der Brennnessel

Kaum eine Pflanze hat so einen negativen Ruf, sie gilt als das Unkraut schlechthin.

Bestenfalls beachten wir sie nicht, ziehen sie heraus oder im schlimmsten Fall nutzen wir Pestizide und verseuchen unsere Umwelt. Das, weil sie nicht in das Bild von einem perfekten Garten passt oder der Hautkontakt brennende Schmerzen hinterlässt.

Ich brenne für die Brennnessel, da sie eine unglaublich wertvolle Heil- und Gartenpflanze, ein richtiges Kraftpaket, ist.

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Vorkommen am Hühnergehege
Kleines Porträt

Die Brennnessel liebt nährstoffreiche Böden, Böden reich an organischem Material und Stickstoff. Diesen Stickstoff nimmt sie auf und wandelt ihn in Eiweiß um. Weitere Inhaltsstoffe sind u.a. Magnesium, Eisen, Vitamin C, Kalzium, Silizium.

Sie wächst jedes Jahr erneut aus ihren unterirdischen Wurzelsystemen heraus, ist eine ausdauernde Staude. Man begegnet einer Brennnessel nie allein. Brennnesseln wuchern in Gruppen, sie überziehen ganze Landstriche. Sie folgen uns Menschen, da sie in Böden wachsen, die unseren Überfluss, unsere Abfälle aufweisen. Sie zeugt von den Spuren menschlichen Tuns, kündet von dem, was wir züchten, was wir bauen. Noch lange nachdem ein Mensch einen Ort verlassen hat, deutet die Brennnessel auf seine Gegenwart hin. Sie ist eine Ruderalpflanze, eine Flora, die auf Schutt und Trümmern gedeiht. Am liebsten jedoch steht sie eher feucht und schattig.

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Die gesellige Brennnessel
Verwendungsmöglichkeiten im Garten

Neben dem ganz wichtigen Aspekt, dass die Brennnessel mit ihren Inhaltsstoffen unbedingt als Wildgemüse auf unseren Speiseplan gehört, sollten Sie Ihre Pflanzen damit stärken. Setzen Sie eine Brennnesseljauche an und gießen alle zwei bis drei Wochen Ihren Garten (auch Zimmerpflanzen profitieren davon). Der vergorene Extrakt ist ein natürlicher und billiger Dünger. Die Jauche hält Schädlinge fern, bereichert den Boden und stimuliert das Immunsystem der Pflanzen, um die sie ausgebracht wird. Auf den Kompost gegeben, ist sie eine Starthilfe.

Brennnesseln, die unter Obstbäumen wachsen, verbessern deren Ernte. Sollte sie dort nicht so gerne gesehen werden, dann lässt sie sich leicht ausziehen oder abmähen und als leichte Düngung um den Stamm legen.

Grüne Tomaten können zusammen mit frischen Brennnesseln in eine dunkle Kiste oder Papiertüte gelegt werden. Binnen 4 – 6 Wochen sollte das Gemüse gut nachgereift sein.

Beim Setzen von Kohl wird eine Brennnessel-Staude in die Erde gesteckt und mit einem Stein festgedrückt. Das vermindert den Raupenfraß.

Ein weiterer guter einfacher Düngetipp ist, bei der Bepflanzung von Topf-und Kübelpflanzen (durchaus auch im Beet) eine Lage Brennnesselblätter in die Blumenerde zu geben. Das Laub verrottet und gibt seinen Stickstoff und Mineralien an die Pflanzen weiter. Ihre Geranien und Co werden es Ihnen danken. Meine Blumenkästen waren nie so ergiebig wie nach dieser Behandlung.

Brennnesselbrühe hilft bei Mehltau, Pilzbefall und Läusen auf Pflanzen.

Rezepte zum Ansatz der Brennnesseljauche/-brühe

1 kg junge Brennnesselblätter pflücken und mit 10 l Wasser in einem Eimer mischen. Die Blätter darin einweichen und die Flüssigkeit gären lassen. Die Gärdauer hängt von der Jahreszeit und der Außentemperatur ab. Bei 20 Grad – 10 Tage, jeden 2. Tag umrühren. Nun wird sie abgefiltert und kann im Mischungsverhältnis 1:10 mit Wasser verdünnt genutzt werden.

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Ansatz der Jauche

Da Stängel und Blätter bei starker Sonneneinstrahlung leicht verbrennen, sollte eher in den Abendstunden gegossen werden und direkt auf den Wurzelbereich der Pflanze ausgebracht werden.

Für Starkzehrer, wie z. B. Tomaten, Kartoffeln, Zucchini, Kohl, Rosen, Geranien, Dahlien…ist der natürliche Dünger gut anzuwenden.

Schwachzehrer, wie z.B. Bohnen, Erbsen, Erdbeeren, Petunien, Stiefmütterchen…sind auch mit relativ nährstoffarmen Böden zufrieden.

Der Ansatz einer Brennnesselbrühe wird mit zwei Händen voll Brennnesselblättern, die mit 2 Liter kaltem Wasser vermischt werden, angesetzt. Anschließend 12 Stunden ziehen lassen. Nun die Brühe in eine Sprühflasche abfüllen und die befallenen Pflanzen damit behandeln (die Blattunterseiten nicht vergessen). Das Nesselgift tötet die Schädlinge.

Anbau

Sollten Sie diese wehrhafte, wertvolle Pflanze nicht in ihrem Garten haben, dann gibt es inzwischen Kräuterhandel, die sie als Samen anbieten. Einfacher wäre natürlich, sich diesen JETZT zu sammeln- für die Aussaat, Ihr Müsli, über Ihren Salat, für Ihr Kräutersalz.

 

 

 

4 Kommentare zu „Gärtnern mit der Brennnessel

  1. Liebe Marion,
    vielen Dank für dein Lob. Eigentlich brauchen wir kaum mehr als diese wunderbare Pflanze. Sie kann so viel geben, ist voller guter Inhaltsstoffe. Ja, wir sollten ihr mit Respekt begegnen.
    Viel Spaß beim Gärntern,
    Birgit

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  2. Endlich hat auch einmal jemand für diese Pflanze eine Lanze gebrochen. Ich habe immer 2 bis 3 Ecken im Garten in denen sie sich ausbreiten darf. Überall mag ich sie nicht, aber an diesen Plätzen ist sie willkommen. Ich belasse sie auch wegen der Schmetterlinge und weil ich sie ganz gerne bei Neupflanzungen mit in das Erdloch gebe, um eine Art Startkapital mitzugeben. Ein toller und informativer Post. LG sendet Marion

    Gefällt 1 Person

  3. Liebe Gisela,
    es freut mich sehr, dass mein Beitrag gefällt. In dir habe ich eine Gleichsinnte gefunden, wie schön. Wunderbare Idee, auch an die Tiere zu denken und einen naturnahen Garten zu pflegen. Die Brennnessel ist Futterpflanze für 25 Schmetterlingsarten. Es gibt noch so viel darüber zu sagen, sodass ich auf jeden Fall dieser Pflanze noch einen weiteren Beitrag in Bezug auf ihre Heilwirkung und Verwendungsmöglichkeit in der Küche widmen möchte.
    Liebe Grüße, Birgit

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  4. Vielen Dank für den aufschlussreichen Beitrag!
    Mich faszinieren Brennnesseln.
    Wir mähen größere Brennnesselbereiche nicht ab, weil sie eine wundervolle Deckung für Ringelnattern bieten.
    Demnächst werde ich Brennnesselsamen einsammeln, weil sie im Winter ein Kraftpaket für die Abwehrkräfte sein sollen.
    Probiere ich mal aus. Lecker sind die Samen jetzt schon.

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