Tierisches

Eine Königin hat’s nicht leicht

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Eine Königin steht an der Spitze eines Staates und wohnt gemeinhin in einem Schloss. Sie trägt schöne Kleider und eine Krone und wird von zahlreichen Dienern bedient. Jeder Wunsch wird ihr von den Augen abgelesen. Selbst arbeiten muss sie nicht, trotzdem hat sie haufenweise Geld, um schöne Dinge zu kaufen. Sicher hat jedes kleine Mädchen dieses Wunschbild schon als möglichen Berufswunsch geäußert. Oder wenigstens den der Prinzessin.

Eine Bienenkönigin steht auch an erster Stelle ihres Staates. Nur sieht ihr Leben etwas anders aus.

Wenn ein Bienenvolk sich vermehren will, werden von der Königinmutter mehrere größere Waben, die Weiselzellen, mit Eiern bestiftet. Sie werden von den Arbeiterinnen mit Gelee Royal gefüttert und wachsen zu jungen Königinnen heran. Die alte Königin schwärmt mit der Hälfte des Bienenvolkes aus und sucht eine neue Behausung.

Wenn die junge Königin schlüpft, muss sie auf der Hut sein. Ist sie die erste von mehreren schlüpfenden Königinnen, wird sie umgehend versuchen, die Schwestern in ihren Zellen zu töten. Es kann nur eine geben. Ist sie eine Zweit- oder Drittschlüpfende, wird sie versuchen, durch Tutgeräusche herauszufinden, ob die Luft rein ist und keine Gefahr besteht. Vielleicht hat die Erstgeschlüpfte den Bienenkasten schon verlassen.

Das ist nämlich die nächste Herausforderung – der Jungfernflug. Die unbegattete Königin fliegt hinaus aus dem Bienenstock, um sich von mehreren Drohnen im Flug begatten zu lassen. Es gibt regelrechte Treffpunkte in der Landschaft, an denen sich Drohnen und Königinnen einfinden. Ist die Begattung vollzogen, fliegt die junge Königin zurück zu ihrem Bienenstock. Aber nur ca. 70 % der Königinnen finden in den Stock zurück.

Nun dauert es ein paar Tage bis die junge Königin anfängt, selbst Eier, imkersprachlich Stifte, zu legen. Ihr Hinterleib wächst in dieser Zeit und sie wird somit unfähig zu fliegen.

Von diesem Zeitpunkt an wird sie ihr Leben im Bienenstock verbringen, es sei denn, sie schwärmt aus. Eine Königin kann bis ca. 4 Jahre alt werden. Sie kann in Hochzeiten bis zu 2000 Stifte (Eier) am Tag produzieren, das entspricht ihrem Körpergewicht. Dafür wird sie von ihren Arbeiterinnen gefüttert, gesäubert und zu den Waben geleitet. Aber wehe, es hat mit der Befruchtung nicht so wie geplant geklappt oder die Legeleistung lässt mit der Zeit nach. Dann planen die Arbeiterinnen einen Putsch und nötigen sie, Weiselzellen zu bestiften, um eine Nachfolgerin heranzuziehen. Ist wieder eine gutproduzierende Königin im Stock, wird die alte beseitigt.

Ich hätte gern eine meiner Königinnen fotografiert, um sie hier zu präsentieren. Aber Durchlaucht ist leider sehr kamerascheu. Bis jetzt habe ich meine Königinnen nicht mit einem Farbpunkt gezeichnet. Deshalb muss ich sie immer auf einer der 10 Waben im Bienenkasten suchen. Und dann ist sie in dem Gewusel auf der Wabe leider immer nur kurzzeitig zu sehen.

Die Bilder zeigen Arbeiterinnen beim Sammeln auf einem weißen Weidenröschen, Epilobium angustifolium album. Diese Staude ist ein Bienenmagnet. Im Gegensatz zu ihrer wilden, pinkfarbenen Schwester versamt sie sich nicht und bildet nur mäßig Ausläufer.

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