Kräuterwissen

Das Kneipp‘sche Vermächtnis

Die Verweichlichung öffnet den Krankheiten Tür und Tor.“ S. Kneipp

Die umfassende Naturheilbehandlung nach S. Kneipp setzt sich aus 5 Säulen zusammen:

* Wasseranwendungen

* Heilkräuter

* Bewegung

* Gesunde Ernährung

* Lebensordnung

Sebastian Kneipp

Er wurde am 17. Mai 1821 in Stephansried als Sohn einer armen Weberfamilie geboren. Sein größter und fast aussichtslos erscheinender Wunsch war es von Kindesbeinen an, Priester zu werden. Tagsüber als Tagelöhner arbeitend, musste er nachts für sein Abitur lernen. Durch die Entbehrungen und Anstrengungen erkrankte er während seines Theologiestudiums schwer an Tuberkulose und wurde von den Ärzten für unheilbar erklärt. Als ihm zufällig das Wasserbüchlein des Arztes, J. S. Hahn in die Hände fiel, sah er diese Behandlung als seine letzte Chance an. Mehrmals wöchentlich lief er eine 3/4 Stunde an die Donau und nahm ein eiskaltes Bad. Damit stärkte er sein Immunsystem, regte seine Abwehrkräfte an und wurde wieder gesund.

Schnell sprach sich das herum und Kneipp fing an, diese Methoden zu verfeinern. Erfolgreich behandelte er Menschen aller Schichten (Bedürftige kostenlos) und wurde eine gefragte Persönlichkeit.DSC02393

( 1. Säule) Wasseranwendungen und ihre Wirkungen

Die Kneipp‘schen Anwendungen geben uns Reize, denen wir in unserer modernen Lebensweise (warme Kleidung, warmes Wasser, warme Räume….) nicht mehr ausgeliefert sind. Dem gegenüber werden wir konfrontiert mit einer großen Reizüberflutung wie Hektik, Stress, Medien, Leistungsdruck und Verkehr. Kneipp‘sche Anwendungen setzen genau hier an, sie schaffen es, den Körper zu entspannen und wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Die Stimuli durch die kalten Wassergüsse sind für die Gefäße mit Muskeltraining zu vergleichen. Der Körper versucht permanent die Körpertemperatur von 37 Grad zu halten. Erhält er einen kurzen Kältereiz, ziehen sich dort die Blutgefäße zusammen. Nun schlägt das Herz schneller, der Blutkreislauf wird beschleunigt, das Hormonsystem wird aktiviert, die Organe werden angeregt – all das, damit warmes Blut in die verengten Adern fließt und die ursprüngliche Körpertemperatur wieder hergestellt wird. Die Gefäße weiten sich wieder. Dieser Vorgang wirkt gefäßtrainierend und durchblutungsfördernd, stärkt die Psyche und das Immunsystem, verbessert das Körperbewusstsein und die Selbstheilungskräfte werden angeregt.

Bei den kneippschen Anwendungen sind einige Grundregeln zu beachten:

– Der Körper sollte vor Kaltanwendungen eine angenehme Wohlfühltemperatur haben.

– Je kälter das Wasser, je kürzer der Reiz.

– Bei Wechselbädern (warm-kalt) immer mit dem kalten Bad enden.

– Nach einer Wasseranwendung sollte der Körper nach 15 – 20 Minuten wieder gut durchgewärmt sein.

– Genussmittel wie Nikotin und Alkohol möglichst meiden.

Zu den Wasseranwendungen gehören Güsse, Bäder, Waschungen, Wickel, Auflagen und Packungen, Dämpfe, Wassertreten, Tautreten, Schneegehen.

Ich werde lediglich 2 Anwendungen beschreiben, da sie sich wunderbar in den täglichen Alltag einbinden lassen:

Knieguss:

Man beginnt an den Zehen des rechten Fußes, führt den Wasserstrahl über den Fußrücken zur Ferse, von dort an der Wade hoch bis eine Handbreit über die Kniekehle. Dort verweilt man etwa 5 Sekunden und achtet darauf, dass das Wasser wie ein Mantel – möglichst ohne zu spritzen – die ganze Wade bedeckt. Dann führt man den Wasserstrahl an der Innenseite der Wade zurück zur Ferse. Dasselbe wiederholt man am linken Bein. Zum Schluss die Fußsohlen begießen. Die Beine sollten nicht abgetrocknet werden, abstreifen mit den Händen reicht. Danach zieht man sich sofort an und regt die Durchblutung durch Bewegung an.

Wirkung: Stärkt die Venen, schlaffördernd, ableitend, blutdrucksenkend, Stärkung der Beckenorgane und des Nasen-Rachenraums.

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Kneippsche Tasse Kaffee → das kalte Armbad

Rechts beginnend nacheinander beide Arme bis zur Mitte des Oberarmes in einen Bottich oder ein Waschbecken mit kaltem Wasser eintauchen. Die Arme sollten bis zu 30 Sekunden kreisen. Danach das Wasser nur abstreifen und für Wiedererwärmung sorgen.

Wirkung: Erfrischend, blutdruckregulierend, durchblutungsfördernd. Empfehlenswert bei Kopfschmerzen oder Müdigkeit. Wirkt anregend wie eine Tasse Kaffee. Kontraindikationen sind kalte Hände oder Angina pectoris.

Ich glaube, dass ich kein Heilmittel anführen kann, das sicherer als Wasser ist.“ S. Kneipp

Nicht nur Wasser allein führt zum Wohlbefinden. Eine Kombination der oben aufgeführten Säulen der Kneippschen Naturheilverfahren führen zu einer erstaunlich deutlichen Stärkung der Gesundheit.

Die von Kneipp empfohlenen Heilkräuter (2. Säule) enthalten zahlreiche Inhaltsstoffe, die durch ein komplexes Zusammenwirken für die milden, aber dennoch nachweisbaren Wirkungen verantwortlich sind. Die Phytotherapie nutzt die sekundären Pflanzenstoffe, die die Pflanzen für ihren Selbsterhalt bilden, indem sie diese in Tees, Salben, Säfte, Tinkturen, Öle, Schnäpse, Badezusätze, Kräuterkissen oder Wickel verwendet.

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„Unser Herrgott hat für jedes Leiden ein Kräutlein wachsen lassen“ S. Kneipp

Körperliche Bewegung (3. Säule) wurde von Kneipp ausdrücklich empfohlen, da sie für die heute oft vernachlässigten körperlichen Funktionen des Organismus unbestritten wichtig ist. Eine sportliche Betätigung sollte mindestens eine halbe Stunde dauern, dann führen sie zu einem intensiven Training von Herz, Kreislauf und Stoffwechsel.

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„Untätigkeit schwächt, Übung stärkt, Überlastung schadet.“ S. Kneipp

7 wichtige Punkte zur gesunden Ernährung (4. Säule):

1. Weniger Fleisch, Wurst, und Fett

2. Mehr Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, Milch

3. Meiden von Zucker, Süßwaren, Limonade, Alkohol

4. Reichlich trinken (Wasser, dünne Kräutertees)

5. Pflanzliche Gewürze anstatt Kochsalz

6. Möglichst regelmäßige Mahlzeiten; in Ruhe genießen, gut kauen

7. Mäßigkeit

Pfarrer Kneipp sprach von Hypotheken, die die Menschen in ihren Bäuchen umherschleppen.

„Die Zubereitung der Speisen sollte einfach und ungekünstelt sein, je näher die Speisen dem Zustande kommen, in welchem sie uns von der Natur geboten werden, desto gesünder sind sie.“ S. Kneipp

Zur Lebensordnung (5. Säule) gehört der ausgewogene Wechsel zwischen Bewegung und Ruhe sowie der maßvolle und kluge Umgang mit Speise und Trank. Genügend Schlaf und die Regulierung des Stoffwechsels sowie eine allgemein positive Lebensführung, ein gesundes Maß an Stresstoleranz und sozialer Kompetenz sind wichtige Bestandteile der Ordnung im Leben.

„Erst als ich Ordnung in die Seele meiner Patienten brachte, besserten sich auch die körperlichen Gebrechen.“ S. Kneipp

Fazit

Ich habe das Kneippsche Heilwerk nur angerissen. Je nach Krankheitsbild oder wenn einfach der Wunsch nach Stärkung und Wohlbefinden im Vordergrund steht, gibt es viele verschiedene Anwendungen an unterschiedlichen Körperteilen.

Für mich ist es inzwischen Alltag geworden, nach einigen Kneippschen Regeln zu leben. Die Wasser- und Kräuteranwendungen, verbunden mit gesunder Ernährung und Bewegung führen automatisch zu einem körperlichen Wohlsein und somit zu einer besseren Lebensordnung. Es ist so einfach, es ist so wirkungsvoll!

„Kein Kräutlein, kein Pulver, das ich nicht selbst versucht und als bewährt befunden habe. Geht hinaus in den Garten Gottes und sammelt die Gaben!“ S. Kneipp

 

 

 

3 Kommentare zu „Das Kneipp‘sche Vermächtnis

  1. Liebe Birgit,
    vielen Dank für diese schöne kurze Zusammenfassung der Kneippschen Lehre.
    Als streng schulmedizinisch ausgebildete Kinderkrankenschwester , kam ich im Jahr 2000 u.a. mit seinen Anwendungsweisen in Berührung, während ich an der Reformhausakademie in Oberursel eine Zusatzqualifikation für Pflegekräfte begann. Diese hat zu einer neuen Denkweise in allen Lebensbereichen für mich und meine Familie geführt. Im Berufsleben allerdings , also dem eigentlich angedachten Einsatzort einfacher, begleitender Methoden aus der Naturheilkunde, bin ich mit allen Ansätzen und Vorschlägen auf taube Ohren gestossen, bzw. wurde freundlich belächelt. Von dieser Zeit an , habe ich mir im Berufsleben Nischen gesucht…..und gefunden, um mir selber treu werden und bleiben zu können.
    Gerade im Moment habe ich täglich Aufregungsschübe, da ich meine Teemischungen inzwischen aus Allem, was der Garten und die umgebende Natur bieten, selber trockne und zusammenmixe. Mir sind schon herrliche Mischungen gelungen….ich lasse die Freundinnen teilhaben …und sie sind begeistert. Wenn frau nun im netz nach einzelnen Anwendungen von Kräutern nachliest, werden dort Warnungen ausgesprochen, die in keinem Waschzettel von üblichen Medikamenten zu finden sind. Mit dem Hinweis : NICHT ZUVIEL…….kann ich schon gleich gar nicht mehr umgehen….es treibt mich echt an den Rand…!!! ….ja von welchen Mengen sprechen wir denn…, dazu findet frau keinerlei Angaben. Dass aber die Einnahme von Schmerzmitteln, Beruhigungsmitteln, NAHRUNGSERgänzungsmitteln usw. zu echten Folgeerkrankungen, ja zu schweren Organschädigungen führen kann, dazu findet der lesende Mensch lediglich, wenn überhaupt, kleinstgedruckte Hinweise. METHODE….ja klar, denn wie immer gehts ums Geld, ums Verdienen. Herr Kneipp wollte wirklich helfen, hat sehr gut beobachtet und überlegt gehandelt. ER arbeitete holistisch, also betrachtete den Menschen als Gesamtwerk. ……das, was die Basis alles medizinischen Handelns sein SOLLTE !!
    Leider muss ich mit der Erkenntnis leben, dass sich auch gerade betroffene Menschen in keiner Weise mit derlei Denke auseinandersetzen…wollen….und ich kann die Welt nicht ändern. Ich freue mich sehr, wenn ich Eure Beiträge lese….es bereitet echte Freude

    in diesem Sinne einen guten Start in die neue Woche Dorothee heinze

    Gefällt 2 Personen

    1. Liebe Dorothee,
      vielen Dank für deine sehr emotionale Antwort. Du hast so Recht. Die Naturheilkunde wird leider nicht richtig ernst genommen. Natürlich braucht es etwas mehr Zeit, sich ganzheitlich um den Körper und seine Belange zu kümmern. Die 5 Säulen des Herrn Kneipp sollten bedient werden und das ist durchaus für viele mit einer Komplettumstellung des Lebens verbunden. Wie viel schneller und einfacher ist es doch, gezielt ein Schmerzmittel einzunehmen und weiter Schindluder mit dem Körper zu treiben. Achtsamkeit und Mäßigung ist die Devise! Das bedeutet natürlich nicht, dass eine puristische Lebensweise zum gesunden Ziel führt. Das tun, was Freude macht, der Körper gibt schon Bescheid! Außerhalb meines gleichgesinnten Freundeskreises werde ich auch gerne als Biotante belächelt, aber macht mir gar nichts. Lass uns so weitermachen! Starte immer wieder Versuche in deinem Beruf, doch mit der Phytotherapie zu überzeugen. Natürlich, wie du schreibst, sind es rein wirtschaftliche Interessen, die in der Schulmedizin gerne dagegen wirken. Schade! Aus dem Grunde sind wir verpflichtet aufzuklären. Nicht aufgeben!
      Klar, können die im Garten wachsenen Kräuter nicht bedenkenlos und ununterbrochen zur Selbsttherapie genutzt werden. Auch hier gibt es Kräuter mit Salicylsäure (Mädesüss, Weidenrinde…), die nicht länger als 2 Wochen genommen werden sollten. Alle anderen Therapien (Beispiel: Frühjahrskur mit ausleitenden Pflanzen) müssen auch nach ca. 6 Wochen beendet bzw. die Droge gewechselt werden. Es kann sonst zu gegenteiligen Wirkungen und Gewöhnungen führen. Aber daran sieht man doch, dass Heilkräuter keine Placebos sind. Die Pflanzen können etwas für uns tun, aber es bedarf einer genauen Kenntnis. Aber da bist du als Krankenschwester mit deiner Zusatzausbildung sicherlich recht gut informiert.
      Ich wünsche dir und deiner Familie weiterhin viel Freude beim Gärtnern und Nutzen desselben. Gerne hätte ich ja mal eine deiner leckeren Teemischungen probiert. 😉
      Bleib uns treu, wir freuen uns sehr.

      Liebe Grüße,
      Birgit

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    2. Liebe Dorothee,

      ich möchte dir und allen anderen Interessierten ein Buch von Thomas Pfister & Reinhard Saller ans Herz legen, das 2014 im Haupt-Verlag (Bern) erschienen ist. Es heißt „Heilkräuter im Garten“ und gibt einen sehr guten und weitreichenden Einblick in Herkunft, Verbreitung, Botanik, Anbau, Pflege, außerdem in Anwendung und Dosierung von Heilkräutern. Sämtliche Daten sind HMPC/ EMA abgeglichen – ein wissenschaftlicher Ausschuss der europäischen Arzneimittelagentur, European Medicines Agency’s, in deren Datenbanken alles Wissen über Pflanzen zusammengetragen wird um Wirkweisen zu erfassen, Risiken zu vermeiden oder auszuschließen.

      Herzliche Grüße und weiterhin viel Motivation und Freude an deiner Arbeit,
      Carmen

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