Gärtnern · Therapeutisches Gärtnern

Dufte Pflanze – Die Duftpelargonie und ihre verführerischen Eigenschaften

Menschen gelten seit jeher als Jäger und Sammler. Da können wir uns für noch so zivilisiert und diszipliniert halten, meistens lässt sich doch irgendeine Macke, eine Sammelleidenschaft entdecken. Bei Gärtnern ist diese besonders ausgeprägt. Der eine ist der Galantophilie verfallen, ein anderer fährt hunderte Kilometer für alte, zerbeulte Gießkannen, der dritte hat es mit historischen Tomatensorten, die es zu erhalten gilt. Ich habe es mit Düften. Nicht mit denen aus dem Parfumgeschäft, sondern mit Pflanzendüften. Ich liebe Kräuter, in die ich meine Nase stecke, Narzissen, deren Duft mir im Frühling entgegenweht oder meine  Ramblerrose, die unseren alten, riesigen Kirschbaum im Frühsommer in ein gigantisches, duftendes Blütenmeer taucht und ich vor lauter Wonne, Sucht und Begierde am liebsten in meiner Hängematte in einen tiefen Dornröschenschlaf fallen möchte.

Meine Sammelleidenschaft liegt jedoch bei Duftpelargonien. Erstmals kennengelernt habe ich diese so genannten Berührungsdufter während meines Praktikums im Botanischen Taubblindengarten in Radeberg/Sachsen. Dort standen zahlreiche Sorten fein eingetopft im Winterquartier und warteten darauf, wieder nach draußen in die Freiheit entlassen zu werden. Ich durfte mir ein paar Stecklinge mit in die Heimat nehmen und hatte Glück bei ihrer Aufzucht und Vermehrung. Inzwischen liebe ich sie, da sie sich auch perfekt in meine Arbeit als Gartentherapeutin einbeziehen lassen. Pflanzen, pflegen, fühlen, riechen, schmecken. Viele Sinne können mit dieser hübschen, zunächst unscheinbaren Pflanze angeregt werden.

Wissenswertes

Weltweit gibt es inzwischen mehr als 200 verschiedene Pelargonienarten und Sorten. Duftpelargonien bezeichnet man häufig als Duftgeranien. Unter dieser Bezeichnung findet man sie häufig in Fachgärtnereien. Richtig ist dabei die gemeinsame Pflanzenfamilie, Geraniaceae. Während unsere Balkongeranien in den Sommermonaten mit einer unglaublichen Blütenfülle trumpfen, hält sich die Duftgeranie darin sparsam zurück. Auch sie zeigt hübsche, meist zarte Blüten in unterschiedlichen Farben und Größen. Insgesamt bleibt ihr Blütenflor jedoch eher bescheiden. Die Blätter sehen je nach Sorte immer anders aus. Da gibt es dicke, große, wollige Blätter, kleine runde Blattformen, panaschierte oder gezackte Blätter. Berührt man sie oder reibt ein Blatt zwischen den Fingern, setzen sich die ätherischen Öle frei. Auf den Blättern sitzen feine Drüsenhärchen, die die Duftstoffe abgeben. Je nach Sorte von Zitrone über Rose, Apfel, Schokolade, Zeder, Weihrauch, Orange, Pfefferminze oder Gummibärchen. In der Aromatherapie wird das ätherische Öl der Rosengeranie eingesetzt. Es wirkt sich positiv auf das Gemüt aus, gilt als beruhigend in stressigen Situationen, regeneriert die Hautzellen und strafft das Gewebe. Auch ich benutze es gerne für eine harmonisierende, ausgleichende Wohlfühlmassage.

Herkunft und Pflege

Ein Großteil kommt aus warmen Gefilden wie z.B. aus Afrika und mag sonniges und trockenes Klima. Das ist der Grund, warum wir sie im Winter ins Haus holen müssen, sonst erfrieren sie. Idealer Überwinterungsstandort ist ein heller und kühler Fensterplatz. Dort zeigen sie sich pflegeleicht und benötigen nur wenig Wasser. Aus Platzgründen stehen einige meiner Pflanzen auf einer sonnigen und sehr warmen Fensterbank, halten das aber durchaus aus. Sie schießen nur schneller ins Kraut und kriegen lange Triebe. Im Frühjahr, nach den letzten Frösten, bevölkern sie dann wieder die Terrasse, Tische und Regale, die für meine Topf- und Kübelpflanzen vorgesehen sind. Unmittelbar dann erhalten alle meine Pelargonien einen kräftigen Rückschnitt von bis zu 50%. Dieser regt zum Neuaustrieb an und hält die Pflanze kompakt und buschig. Hin und wieder gebe ich etwas organischen Pflanzendünger mit in das Gießwasser. Wenn eines Tages die Blüh- und Wuchsfähigkeit meiner duften Pflanzen nachlässt, bekommen sie einen neuen Topf und gute, frische Erde.

Kulinarisches

Duftpelargonien bereichern die Küche mit ihren wunderbaren Aromen. So lassen sich aus ihnen Getränke oder Tees herstellen. Tanya, einer Kollegin aus der Slowakei, ist die Duftpelargonie zur Aromatisierung von Marmeladen und Gelees bekannt. So gab ihre Mutter vor dem Verschließen ein frisches Pelargonienblatt auf die frisch gekochte, noch heiße Marmelade. Gebäck lässt sich mit einem fein gehackten Pelargonienblatt verfeinern. Aber auch Fisch- oder Fleischgerichte lassen sich verführerisch aufpeppen. Vorsicht ist jedoch bei der Menge geboten, da die ätherischen Öle je nach Sorte sehr intensiv schmecken!

Und sonst?

Neuerdings benutze ich Pelargonienblätter als Anti-Mottenmittel. Ein paar dieser zarten Tierchen haben sich nämlich genüsslich über den guten Anzug meines Mannes hergemacht! Ich sammle die trockenen Blätter der stark duftenden Sorten ab, stecke sie in Stoffsäckchen und hänge sie in den Kleiderschrank.

Mücken und andere Insekten werden durch den Geruch in die Flucht geschlagen.

Wer schon einmal Umckaloabo® Tropfen gegen Husten oder Bronchitis eingenommen hat, hat ein Extrakt aus der Wurzel der Kapland-Pelargonie zu sich genommen. Sie ist zwar keine Duftpelargonie im oben beschriebenen Sinne, ist aber die einzige Pelargonie, der eine besondere Heilwirkung nachgewiesen wurde.

Kinderstube

Duftpelargonien lassen sich problemlos über Stecklinge vermehren. Dazu kann man die Kopfstecklinge, also Triebspitzen, aus dem Rückschnitt nehmen, den man ja eh im Frühjahr vornimmt. Die Triebe sollten maximal 10 cm lang sein und mit einem scharfen Messer, besser noch einer Rasierklinge, geschnitten werden. Eine Schere ist nicht so sinnvoll, da sie die Schnittstelle quetscht. Die Blätter werden entfernt, bis auf ca 3-5 Stück an der Triebspitze. Nun füllt man Blumentöpfe mit Anzuchterde auf, steckt die Stecklinge in etwa 2 cm tiefe Löcher und drückt sie fest an. Normale Pflanz- oder Blumenerde ist zu nährstoffreich. Darin bilden die Stecklinge u. U. keine Wurzeln aus, deshalb lieber magere Anzucht- oder Kräutererde nehmen. Nun werden die Pflänzchen vorsichtig angegossen und an einen warmen, aber nicht zu sonnigen Ort gestellt. Wer ganz sicher gehen will, deckt die Töpfe mit mehrfach angepiekster Frischhaltefolie ab. Dadurch entsteht ein Klima wie im Gewächshaus und lässt die Pflanze eher anwurzeln. Bei sparsamem Gießen zeigt sich nach einigen Wochen ein frischer Austrieb. Nun sollte die Duftpelargonie umgetopft werden.

Bezugsquelle

Wer sich mit der Sucht nach Duftpelargonien anstecken lassen möchte, findet hier ein gutes und umfangreiches Angebot:

Rühlemann´s, Auf dem Berg 2, 23367 Horstedt, siehe: http://www.kraeuter-und-duftpflanzen.de

…und wer sich grundsätzlich für Pflanzenvermehrung interessiert, findet in diesem Büchlein gute Tipps:

„Nachwuchs im Garten“, Wolfgang und Marco Kawollek, Ulmer Verlag, ISBN 978-3-8001-7627-4

2 Kommentare zu „Dufte Pflanze – Die Duftpelargonie und ihre verführerischen Eigenschaften

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