Schreiberei · Tierisches

Nackte Tatsachen

Völlig schamlos schleimen sie unbekleidet durch den Garten und verbreiten großes Chaos, die langen, dicken, hauslosen Schnecken. Gerade jetzt, wo uns der Sommer mit seinen Kapriolen im Stich lässt. JETZT lieben sie es! Fantastische klimatische Gegebenheiten. Sie müssen sich noch nicht einmal groß anstrengen, die leckeren Pflanzen kommen ihnen entgegen, sie liegen nass und flach am Grund. Die Tafel ist gedeckt.

Die Reduktion des Gehäuses bietet den Nacktschnecken den Vorteil, dass sie keine Energie auf die Bildung des Wohnhauses bzw. das Tragen desselben verschwenden müssen und somit diese eingesparte Kraft auf die Erschließung neuer Biotope verwenden können. Sie sind in der Lage, relativ lange Strecken zu wandern und können Nahrungsquellen erschließen, die Gehäuseschnecken unzugänglich sind. Welch ein Segen für die Nackten!

Saatgut, welches versucht, ganz zart aus dem feuchten Boden zu kommen, wird sofort rasiert und der Gärtner zweifelt die Keimfähigkeit an.

Meine Tagetes, meine Hostas, meine Sonnenblumen, meine Kräuter – nein, ich kann verzeihen. Diese filigranen Lochmuster, diese kopf- und blattlosen Stengel, diese glitzernden Schleimspuren und wenn kein Blättchen mehr da ist, werden die eigenen Artgenossen verspeist.

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Was tun? Ich hörte von grausamen Tötungsmethoden: Von Erstechen, Erschlagen, Vergiften, Ertränken – immerhin manchmal in Bier- , Zerschneiden, Aufspießen oder einfach zum ungeliebten Nachbarn schleudern. Nein! So etwas habe ich noch nie getan! (Ironie!) Ich hacke regelmäßig auf (die Erde!), streue Sand- bzw. Mulchbarrieren, setzte Kupferborder ein, rede mit den Weichtieren, hoffe auf Appetitlosigkeit, bewundere die hübschen Eier, die an perlmuttfarbene Perlen erinnern.

Schnecken sind Zwitter, haben also beide Geschlechter in sich, wobei allerdings zuerst im männlichen Organ Samen ausgebildet wird, dann kommt es nach Schneckenart mehrere Stunden zur Paarung und zum Austausch der Samen. Anschließend beginnt die Produktion der Eizellen, der weibliche Akt. Pro Eiablage kann sich ein Paar dann über bis zu 400 Nachkommen freuen.

Wie schön und ungezähmt ist doch die Natur, wir werden uns mit ihr arrangieren müssen!

Nur grundsätzlich gilt: Traue keinem Schleimer!

P.S. Letztens hörte ich von einer Kräuterpädagogin, die als medizinische Maßnahme gegen Reizmagen rät, 14 Tage lang täglich 4 Nacktschnecken herunterzuschlucken. Der Schleim soll die Magenschleimhaut umkleiden und so Linderung verschaffen. Vielleicht ist das auch eine Lösung für die ganz Hartgesottenen.

Ein Kommentar zu „Nackte Tatsachen

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