Therapeutisches Gärtnern

Färbergarten im Vicus-Treff Gevelsberg

Vor einigen Jahren war ich als Gartentherapeutin, gemeinsam mit meinem Huhn Pia, in ein Fotoprojekt des Vicus-Treff, Tageseinrichtung der Arbeiterwohlfahrt Gevelsberg, eingebunden. Daraus entstand eine wunderbare Zusammenarbeit und der Wunsch, ein Gartenprojekt zu gestalten. Was daraus entstanden ist, stelle ich euch gerne vor.

Vicus-Treff Gevelsberg

Der Vicus-Treff Gevelsberg ist eine Tagesbetreuung für Menschen mit Behinderung im Ruhestand. Er dient als Ort der Begegnung, bietet Teilhabe an der sozialen Gemeinschaft und sorgt für eine sinnvolle Freizeitgestaltung. Das Ziel liegt in der Erhaltung und Förderung der Fähigkeiten und Kompetenzen und in der Steigerung der Lebensfreude und Lebensqualität der anvertrauten Gäste.

Der Garten – die Gartentherapie Der gezielte Einsatz der Natur und der geplante Umgang mit Pflanzen fördert das Wohlbefinden und die Erinnerung, stärkt das Selbstbewusstsein und die Selbstwirksamkeit durch das Erleben eigener Kompetenzen. Alle Sinne werden durch die Beschäftigung in und mit der Natur angeregt, motorische Fähigkeiten werden ressourcenorientiert genutzt und gefördert. Das zielgerichtete Tun und Handeln leitet den Focus weg von den eigenen Defiziten. Verantwortung wird übertragen und gemeinschaftlich umgesetzt. Wie stolz sind wir, wenn uns etwas gelingt und aus einem Samenkorn z. B. ein stattlicher Kohlkopf wächst. Oberstes Ziel ist, Freude zu schaffen und das gelingt mit der Gartentherapie auf ganz natürliche Art und Weise.

Die Kunst – die Künstlerin

Maryam Farmaniyeh (Foto Bernd Henkel)

Neben dem engagierten Team unter der Leitung von Katrin Dahlke, arbeitet auch eine Künstlerin, Maryam Farmaniyeh aus dem Iran, im Vicus-Treff. Bereits bei unserem ersten Treffen waren mir einige wunderbare Kunstwerke aufgefallen, die sie gemeinsam mit den Tagesgästen gestaltet hat. Als die Frage zu einem Gartenprojekt gestellt wurde, hatte ich sofort die Idee, Garten und Kunst miteinander zu verbinden und einen Färbergarten anzulegen, aus dem wir gemeinsam unsere eigenen Farben herstellen und diese zu Kunstwerken verarbeiten.

Ein Garten, der zu uns passt

Ab April 2020 haben wir „unseren Garten“ im Vicus-Treff angelegt. Wir haben die Pflanzen gesät und gepflanzt, die wir hübsch fanden und zu denen wir aus dem Wissen und der Erinnerung Zugang hatten. Wichtig war uns außerdem eine Ergänzung unseres Speiseplans, die Möglichkeit einer jahreszeitlichen Dekoration und die sinnliche Anregung über Duft oder Haptik. Auf spezielle Färberpflanzen haben wir verzichtet.

Wir haben Farben aus Akelei, Pfingstrosen, Nelken, Geranien, Brennnesseln, Mangold, Möhren, Ringelblume, Kornblume, Rotkohl, rote Bete, Storchschnabel, Rose, Zwiebeln, Avocado, Rhododendron und Holunder hergestellt, diverse Kräuter verarbeitet sowie kiloweise Einlegegurken geerntet, eingelegt und aufgegessen. Des Weiteren haben wir uns in der Herstellung von Papier und Pinseln versucht. Diese haben wir aus Pflanzenmaterialien, Hühner- und Pfauenfedern, aber auch aus Pferdemähnen selbst hergestellt.

Aus Pflanzen werden Farben

Die aus unseren Pflanzen gewonnenen Grundfarben, bzw. deren PH-Wert, haben wir durch Zugabe von Zitronensaft, Natron, Asche oder Kreide verändert. Immer mit einem „Mäusetränchen“ Wasser. Wir haben probiert und experimentiert. Dabei herausgekommen sind wunderbare Pflanzenfarben.

Kreativität ist, wenn einem bei dem, was einem auffällt, etwas einfällt“ (Gerhard Uhlenbruck, Mediziner)

Kunst und Garten – sevengardens

Vor ein paar Jahren lernte ich Peter Reichenbach, Künstler und Zen Mönch aus Essen, außerdem Initiator der global agierenden Netzwerkinititiative „sevengardens“, atavus e.V., kennen. Basis der Arbeit von sevengardens sind Färbergärten. Die Gewinnung von Farben aus verschiedensten Pflanzen ist Ausgangspunkt für ein niedrigschwelliges Partizipationsmodell. Somit steht die Arbeit für Bildung für nachhaltige Entwicklung, Erhaltung der Biodiversität und Förderung lokaler Wirtschaftskreisläufe. „sevengardens“ setzt sich mit seinen Färbergärten für Kunst und Kultur ein, erforscht alte Handwerkstechniken und sorgt für deren Wiederbelebung. Priorität liegt in Naturschutz, nachhaltiger Erziehung und Bildung, Entwicklungshilfe und internationaler Zusammenarbeit. Ich war begeistert von dieser Initiative, sah darin eine Ergänzung zur Gartentherapie, startete eine entsprechende Weiterbildung und durfte mich fortan als Dialogerin für sevengardens bezeichnen.

Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung

Die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDGs) sind politische Zielsetzungen der Vereinten Nationen (UN), welche weltweit der Sicherung einer nachhaltigen Entwicklung auf ökonomischer, sozialer sowie ökologischer Ebene dienen sollen. 193 Länder haben sich dieser Agenda angeschlossen.

In der Erfüllung des vierten Ziels, lebenslanges Lernen und Bildung für alle, ist unser Färbergarten als Projekt für nachhaltige Entwicklung anerkannt und hat aktuell die Auszeichnung des RCE-Ruhr erhalten. Ziel des RCE-Ruhr ist, über ein Netzwerk der bestehenden Kompetenzpartner in der Metropole Ruhr, das Thema Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) in die Gesellschaft zu tragen. Wir freuen uns sehr über diese Auszeichnung!

Wer mehr über unseren Färbergarten wissen möchte oder uns kennenlernen will, hat die Gelegenheit dazu:

Herzliche Einladung! Unserer Kunstwerke sind vom 09.04.22 bis 30.06.22 im Bürgerhaus Alte Johanneskirche, Uferstr. 3, 58285 Gevelsberg zu besichtigen. Die Ausstellungseröffnung ist am Samstag, 09.04.2022, Einlass 13:30 Uhr, Beginn 14:00 Uhr. Gäste sind herzlich willkommen. Es gelten die dann gültigen Corona-Regeln.

Wir bedanken uns bei Bernd Henkel, http://www.berndhenkel.com, für die Begleitung und die wunderbaren Fotos, bei Anja Steller von der Stadt Gevelsberg für die Organisation und Bewerbung der Ausstellung sowie bei Aktion Mensch für die Finanzierung des Projekts!

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