Phytotherapie

Die Frucht der Kastanie – nur zum Basteln oder als Wildfutter? Weit gefehlt!

Die Gemeine Rosskastanie, die bis zu 35 Meter hoch werden kann, ist ein stattlicher Baum. Sie hat einen wuchtigen Stamm, üppige weiße Blütenkerzen, eine ausladende Krone, handförmige, fünf- bis siebenfingrige Blätter und glänzende, braune Früchte, die jetzt im Herbst Kinder (und Erwachsene) glücklich machen. Weniger bekannt sind die wohltuenden Anwendungen der Kastanie, die unter anderem bei Venenproblemen, Ödemen und Hämorrhoiden helfen.

Ich bin sehr begeistert von diesen Früchten, sammle sie leidenschaftlich gerne, dekoriere mit ihnen und habe in diesem Jahr das erste Mal ihre Heilkraft genutzt. Gerne stelle ich Euch aus den vielen Zubereitungsmöglichkeiten einige vor, die leicht nachzumachen sind. Wer eine gute Küchenmaschine hat, kann die Früchte pulverisieren und entweder im Dörrapparat oder Ofen bei 40 Grad trocknen. Dann ist der Nachschub bis zum nächsten Herbst gesichert und man kann sich das doch aufwendige Zerkleinern ersparen.

Kastanienöl

Das Kastanienöl nutze ich für eine Gefäßsystem stärkende Beinmassage oder als Zutat zu einer Salbe. Die Kastanien werden zerkleinert und bis zur Hälfte in ein Schraubglas gefüllt. Nun wird gutes Olivenöl so weit aufgeschüttet, bis die Nüsse bedeckt sind. Das Glas bleibt 3 – 6 Wochen auf der Fensterbank stehen, wird häufiger geschüttelt und nach dieser Zeit abgeseiht. Wenn es kühl und dunkel gelagert wird, hält es mindestens 6 – 8 Monate.

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Kastanien-Waschmittel

Aus den Früchten lässt sich ein erstklassiges, biologisches Waschmittel herstellen, das frei von chemischen Zusatzstoffen ist. Die Rosskastanie gehört zu den Seifenbaumgewächsen und enthält Saponine, seifenähnliche Stoffe, die sich im wässrigen Zustand lösen.

Für einen Waschgang reichen 10 Kastanien. Mit dem Kastanienmehl lässt sich das Waschmittel geschwind (1/2 Stunde) herstellen, da sich die Saponine schneller herauslösen. Andernfalls die Früchte kleinschneiden und mit warmem Wasser übergießen und über Nacht stehenlassen. Am nächsten Tag können sie aus der Flüssigkeit herausgesiebt werden. Die Lauge wird in das Waschmittelfach der Waschmaschine geschüttet.

Für Weißwäsche sollten die braunen Schalen entfernt werden, bei Bunt- oder dunkler Wäsche ist das nicht nötig.

Rosskastanienbrei

Zur Festigung des Gewebes und Durchblutungsförderung wirkt ein Kastanienbrei zusammenziehend und ausschwemmend. Der Brei kann direkt – für eine Stunde – auf die betroffene Körperpartie aufgetragen werden und wird anschließend mit kaltem Wasser abgewaschen.

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Das Fruchtfleisch wird hierfür grob gehackt und in einen Topf gegeben. Die Masse knapp mit Wasser bedecken und etwa 15 – 20 Minuten kochen. Mit einem Stampfer zu einem Brei zerdrücken.

Rosskastanienmaske

Die Maske kann auch als Körperpeeling verwendet werden. Als Gesichtsmaske lässt man sie 5 Minuten einwirken und nimmt sie anschließend mit einem feuchten Lappen ab. Sie wirkt entzündungshemmend und verbessert das Hautbild.

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Zutat: Quark und Kastanienmehl

Rosskastanienbad

Das Bad kann bei Rheuma, Gicht und Durchblutungsstörungen eingesetzt werden. Durch die enthaltenen Saponine bildet sich bei gutem Durchrühren ein schöner Badeschaum.

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Die grob zerkleinerten Kastanien werden in einem großen Gefäß mit 10 l Wasser eingeweicht, möglichst über Nacht. Danach kurz aufkochen, abseihen und den Sud für ein Vollbad in das Badewasser schütten.

Rosskastanientinktur

Die Tinktur kann zum Stärken der Venen sowie gegen Ödeme und Krampfadern direkt auf die Beine aufgetragen und leicht einmassiert werden. Sie fördert die Durchblutung und lindert Schmerzen.

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Dafür habe ich zerkleinerte Früchte bis zur Hälfte in ein Glas gefüllt und mit 40%igem Doppelkorn oder Vodka aufgeschüttet. Nun lasse ich den Ansatz für 3 Wochen unter regelmäßigem Schütteln auf der Fensterbank stehen. Um die Wirkung noch ein wenig zu verbesssern, habe ich eine Handvoll Wacholderbeeren mit hineingegeben, die zusätzlich schmerzlindernd wirken und gerne wegen ihrer harntreibenden Wirkung bei Zivilisationskrankheiten wie Arthritis, Gicht, Rheuma eingesetzt werden. Nach Ende der Einwirkungszeit wird die Tinktur in eine dunkle Flasche abgeseiht und ist dann, kühl stehend, 1 Jahr haltbar.

Leider sind die Rosskastanienbäume durch die Balkan – Miniermotte und vor allem durch Pilzbefall stark bedroht. Ein wirksames Mittel gegen Pseudomonas, den Pilz, gibt es noch nicht. Die Entwicklung dieses Pflanzenschutzmittels ist aufwendig und teuer und auch in dicht bevölkerten Gegenden schlecht einsetzbar. Die anfällige Rosskastanie wird es leider immer schwerer haben, sich zu behaupten.

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