Gärtnern

Ananas

Gestern habe ich mir im Supermarkt eine Ananas gekauft. Während ich in der Kassenschlange wartete, ging es mir durch den Kopf, wie glücklich ich mich schätzen darf als normal begüterter Mensch heute so eine Frucht genießen zu können.

Die Ananas gehört zu den Bromeliengewächsen und kommt aus dem Äquatorbereich von Südamerika. Entdeckt wurde sie für Europa von Kolumbus. Es war lange Zeit nicht möglich die Frucht nach Europa zu transportieren, da sie im reifen Zustand die lange Seereise nicht überstand. Die ersten Exemplare wurden wohl getopft transportiert und in den Niederlanden weiterkultiviert.

Die Entwicklung der Ananas dauert bis zur Ernte ca. drei Jahre. In dieser Zeit braucht die Pflanze durchgehend 24 bis 30 Grad Wärme und Luftfeuchtigkeit und Licht. Sie mag keine Staunässe, aber der Boden muss immer feucht sein. Unregelmäßigkeiten bei der Anzucht führen umgehend zu Fäulnis und Wachstumsstopp. Die gleichmäßige Wärme wurde in Europa durch die Verrottung von Pferdedung und Urin erzeugt. Oder man legte eine Bodenheizung durch das Gewächshaus, die von außen per Kohle oder Holz befeuert wurde.

Dieser Aufwand erklärt,  warum gerade die Ananas zu einem Statussymbol von Königen und Reichen wurde. 1689 ließen König Wilhelm von Oranien und seine Frau Maria, die ja aus den Niederlanden kamen, in Hampton Court das erste Gewächshaus für Ananas bauen. Diese pineapple pits brauchten kundige, gut ausgebildete Gärtner und eine lange Rundumversorgung durch das Personal. Eine einzige reife Frucht wurde mit den Kosten für eine Kutsche gleichgesetzt.

Bei den Adeligen wurde die Ananas zur großen Mode. Wer konnte, zeigte seinen Reichtum durch selbst gezogene Ananas, die auf Festen und Empfängen zur Schau gestellt wurden. Wer nicht ganz so begütert war, konnte sich eine Ananas für einen Abend mieten. Es gab Ananas als Dekoration auf den Torbögen der Häuser, Lord Dunmore ließ sich sogar ein Haus nahe Aith, in Schottland in Form einer Ananas bauen.  Die Firma Wedgwood kreierte ein Teeservice in Ananasform.

Der Anbau von Ananas wurde erst einfacher,  als 1714 das erste Thermometer verfügbar war und somit die gleichmäßige Temperatur messbar. Außerdem wurde die Glasproduktion für die Gewächshäuser durch neue Produktionsmethoden erschwinglicher.

Wer es selbst einmal versuchen möchte, kann den Blattschopf einer Ananas eintopfen. Eine Plastiktüte über der Pflanze sorgt für die nötige Luftfeuchtigkeit. Der Platz auf der Fensterbank über der Heizung sorgt für die nötige Wärme. Und dann braucht man nur noch Geduld, viel Geduld…drei Jahre lang.

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Dies sind Gewächshäuser aus dem Garten West Dean, in England. Dort wurden auch Ananas angebaut. Das Foto hat mir meine Beetschwester Carmen zur Verfügung gestellt.

4 Kommentare zu „Ananas

  1. Die Ananas kommt in einem Roman von Jane Austen vor als Symbol der Herzlosigkeit des Großgrundbesitzers (die Menschen im Land hungern, und er lässt zu seinem Vergnügen Ananas in großen, teuren Gewächshäusern ziehen). In welchem ihrer Werke diese für uns versteckte (Ananas ist nun wirklich kein Symbol der Oberschicht mehr) Sozialkritik vorkommt, weiß ich nicht mehr; ich las darüber in einem Kommentar zum Buch.

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    1. Hallo Carom,
      ich habe auch schon einige Jane Austen Bücher gelesen und die Filme gesehen. Leider kann ich mich auch nicht an diese Stelle erinnern. Aber Jane Austen hat ja in ihren Büchern durchaus Kritik am damals bestehenden Gesellschaftssysthem geübt, aber eher durch ihre spitze Feder, auf subtile Art. Sonst wären ihre Bücher wohl gleich verboten worden.

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  2. Hallo Caro,
    ja, die Entwicklungs – und Kulturgeschichten hinter unseren Lebensmitteln sind oft spannend und sogar lustig. Ich liebe es, in Büchern darüber zu lesen und somit die gartenlose Zeit zu überbrücken.

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