Gärtnern

Azaleen

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Als ich meinen ersten Garten anlegte, fragte mich ein älterer Verwandter, ein gelernter Gärtner, ob ich denn auch Azaleen gepflanzt hätte. Im Brustton der Empörung hatte ich verneint:“ So etwas kommt mir nicht ins Beet.“ Azaleen, Rhododendren und einzeln stehende Edelrosen waren für mich das Sinnbild eines spießigen, altmodischen Gartens der Adenauer-Ära. Zudem hatte ich zu viele Pflanzungen gesehen, in denen die Azaleen in augenkrebsfördernden Farbzusammenstellungen gesetzt worden waren. So etwas wuchs auf dem Friedhof, aber doch nicht in meinem Garten. Zumal die Sträucher nach der Blüte den Rest des Jahres langweilig, gleichmäßig grün da standen. Keine Laubfärbung, keine Früchte im Herbst.

Dann fuhr ich auf eine Gartenreise nach England und besuchte unter anderem Sissinghurst im Frühsommer. Es war ein sonniger Tag und wir wanderten durch den Garten. Der leichte Wind trieb eine Duftwolke auf mich zu, ich konnte aber zuerst nicht bestimmen, woher sie kam. Dann bogen wir in den Grabengang ein und ich sah und schnupperte, dass der Duft von einer Azalee kam. Ich war begeistert, so etwas hatte ich noch nicht gesehen. Eine Azalee, die duftet.

In den anderen Gärten, die wir besichtigten, musste ich meine Meinung über Azaleen und Rhododendren auch revidieren. Dort wuchsen sie in Waldgärten, die sehr natürlich angelegt waren, gemeinsam mit vielen anderen Sträuchern und Stauden. Dort wirkten sie auch nicht so steif.

Da ich zu Hause im Garten mehr schattig/halbschattige Beete habe, bestellte ich nun zwei Duftazaleen. Unser Boden ist lehmig und nicht sehr kalkhaltig. Das passt. Es gibt aber inzwischen auch Sorten, die mit kalkhaltigen Böden besser zurechtkommen. Ansonsten kann man eine Grube ausheben und eine große Pflanztasche mit Rhododendronerde füllen. Die Pflanzen sind keine Tiefwurzler, damit kommen sie einige Jahre gut zurecht.

Seitdem erinnern mich meine Duftazaleen jedes Jahr an meine schöne Reise und daran, dass man keine Vorurteile gegenüber Pflanzen haben soll. Es gibt immer wechselnde Moden, man muss nicht alles sofort schön finden. Aber vielleicht passt eine ungeliebte Pflanze genau in den heimischen Boden, wenn sie nur die richtigen Nachbarn hat.

 

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