Therapeutisches Gärtnern

Gartentherapie (4)

„Was macht denn nun die Gartenarbeit zur Therapie? Ein bisschen in der Erde wühlen kann doch jeder“, mag einer müde lächelnd denken.

So elementar und natürlich die Gartentherapie auch ist, sie wird erst durch fundiertes Wissen, konkrete Planung, Umsetzung der Ziele und am Ende durch messbare Ergebnisse zur Therapie! Dazu kommt die schriftliche Dokumentation, die ein wichtiger Bestandteil und ein Pflichtteil in der täglichen Arbeit mit Patienten und Klienten ist.

Gartentherapie kann überall betrieben werden, wo es Menschen mit Bedarf gibt! Dieser kann unterschiedlichster Art sein und Kinder genauso wie Erwachsene oder alte Menschen betreffen.

Vom ersten bis zum letzten Atemzug ist der Mensch ein Individuum und eine Persönlichkeit, der ein Recht auf freie Entwicklung und auf ein Leben in Würde hat. In unserer Gesellschaft ist es in der Regel eine Selbstverständlichkeit, dies zu fördern und zu unterstützen. Trotzdem kann es passieren, dass durch Krankheit, Unfall, Stress oder im zunehmenden Alter, Störungen auftreten, die die eigene Handlungsfähigkeit in irgendeiner Form einschränken.

Diese können zum Beispiel auf der kognitiven Ebene angesiedelt sein, also das Denken, Lernen, Planen, die Konzentration, die Erinnerung oder das Vorstellungsvermögen betreffen.

Auch sensorische Erkrankungen können auftreten, die das Sehen, Hören, Riechen oder Schmecken beeinträchtigen oder als sensible Störung den Tast- oder Berührungssinn, wie auch das Temperatur- oder Schmerzempfinden verändern.

Erkrankungen der emotionalen Ebene zeigen sich oft in Ängsten oder Phobien, Zwangsstörungen oder Depressionen. Nicht selten ist tatsächlich das Fehlen von sinnlichen Erfahrungen aus der Natur der Auslöser für eine emotionale Störung.

Psychosoziale Einschränkung entsteht in den verschiedenen Entwicklungsphasen eines Menschen im Laufe seines Lebens und meint die eigene Identität, somit das Denken, das Empfinden, die Wahrnehmung und das individuelle Verhalten.

Kleine und große Menschen stark, selbstwirksam, selbstbewusst und handlungsfähig zu machen oder Vertrauen in die Handlungsfähigkeit zu erhalten, ist ein Ziel in der Gartentherapie. Sie wird abgestimmt auf die Individualität der jeweiligen Lebenssituation, sieht sich nicht als alleiniges Mittel, aber als eine geniale Möglichkeit, andere Therapien zu ergänzen und zu unterstützen. Dazu ist es wichtig, dass man sich mit dem Klienten oder Patienten intensiv auseinandersetzt, sich mit seiner Biografie vertraut macht und sein Vertrauen erwirbt. Eigene Kompetenzen sind dafür wichtig. Dazu gehört neben einem Beruf aus dem „weißen“, „grünen“ oder pädagogischen Bereich, eine qualifizierte Ausbildung zum Gartentherapeuten. Diese gründet sich auf ergo- und physiotherapeutisches Wissen, vermittelt Inhalte zur Botanik und zum Gartenbau, lehrt didaktische Konzepte und Methoden, außerdem das praktische Arbeiten mit Klienten. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Kommunikation und die Bewältigung von Konflikten. Eigene Fähigkeiten sollten in Empathie, sozialer Kompetenz und Kreativität liegen.

Durch den Aufenthalt in der Natur oder den Umgang mit Pflanzen oder natürlichen Materialien fehlt dem Klienten zunächst der „Therapieeffekt“. Fast unbemerkt wird der „Gepflegte“, jetzt zum „Pflegenden“. Der Focus richtet sich automatisch von sich selbst weg, hin auf die Pflanze. Diese fordert Aufmerksamkeit, Geduld und Handlung ein, und zwar zum jeweils richtigen Zeitpunkt. Vom Säen des Samens über die Aufzucht und Pflege der Pflanze bis hin zu ihrer Verarbeitung als Dekoration, Kosmetik oder in der Küche. Sehen, Fühlen, Riechen, Schmecken – Gartentherapie erzeugt Freude. Der Garten ist ein Raum zum Gedeihen von Mensch und Pflanze, die miteinander und in Abhängigkeit voneinander eine positive Wirkung erzielen. Der Umgang mit Pflanzen fördert Wohlbefinden und Erinnerung, Selbstwirksamkeit und Selbstbewusstsein, Verantwortung, soziales Miteinander, Kompetenz und Kreativität. Die Sinne werden angeregt und nicht zuletzt werden motorische Fähigkeiten erhalten und gestärkt.

In meiner Arbeit mit Senioren, die die unterschiedlichsten Erkrankungen und Defizite haben, meinte kürzlich ein Bewohner, der ein treuer Besucher unseres Gartenclubs ist: „Ganz schön schlau – wir arbeiten und keiner merkt´s.“ Erwischt! 🙂

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