Therapeutisches Gärtnern

Gartentherapie (2)

 

Im Jahr 2008 stieß ich bei der Suche nach interessanter Gartenliteratur zufällig auf einen Artikel über Gartentherapie. Bis dahin hatte ich nie etwas über diese Therapieform gehört oder gelesen. Es durchfuhr mich wie ein Blitz, sah ich doch eine geniale Möglichkeit, zwei Leidenschaften, Mensch und Garten, miteinander zu verbinden. Ich besorgte mir erste Bücher und stellte fest, dass Gartentherapie eigentlich gar nicht so neu ist. Die Anfänge gehen auf die Ägypter der Antike zurück. Damals verschrieben Ärzte psychisch kranken Mitgliedern des Königshauses Spaziergänge im Garten. Sie wussten, welch beruhigenden Effekt der Aufenthalt in der Natur auf Menschen haben kann. Jedoch dauerte es noch sehr lange, bis Gartenarbeit geplant, gezielt und dokumentiert in klinische Abläufe einbezogen wurde. Dr. Benjamin Rush (1745 – 1813), ein Mediziner aus Philadelphia, gilt als Begründer der amerikanischen Psychiatrie. Er schrieb als einer der Ersten über die gärtnerischen Aktivitäten und deren heilende Effekte bei der Behandlung von psychisch kranken Patienten. Die Therapie erfolgte damals durch Arbeit auf den Feldern. Dr. Benjamin Rush gilt seither als „Vater der Gartentherapie“. Er sah in ihr ein „Heilmittel gegen Angstzustände und Depressionen“ sowie ein „Mittel gegen Selbstvernachlässigung“ (aus „Lehrbuch Gartentherapie“, Schneiter-Ulman, R., 2010). Er betonte die Wichtigkeit schwerer Gartenarbeit, wie z.B. Holzfällen, für Männer. Laut Dr. Rush wurden männliche Patienten danach häufiger gesund als Patienten mit vergleichbaren Diagnosen, die keine körperlichen Aktivitäten ausgeübt hatten. In Frankreich begann der Arzt Philippe Pinel (1745 – 1826), Geisteskranke, die damals als gefährliche Irre galten und häufig in verschlossenen, teilweise unterirdischen Räumen vor sich hin vegetierten, mit an die frische Luft zu nehmen und in die Feldarbeit mit einzubeziehen. Er sorgte für eine damals völlig neue Behandlungsmethode in Form von Betreuung, Therapie und Pflege. Pinel hoffte auf den natürlichen Instinkt eines Menschen, die Erde fruchtbar zu machen und zeitgleich Erfüllung und Wohlbefinden zu erzeugen. Hier in Deutschland sorgte Christian Friedrich Roller (1802-1878), als Leiter der psychiatrischen Klinik Illenau in Baden-Württemberg, für eine neue, naturgestützte Therapieform. Er sah in der Arbeitstherapie auf landwirtschaftlicher Nutzfläche in ländlicher Umgebung eine Chance für Heilung.

 

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