Gärtnern

Ein neuer Baum zieht in den Garten ein…..

….. und er soll sich von Anfang an wohl fühlen.

Viele Gartenbesitzer haben irgendwann das Bedürfnis einen Baum zu pflanzen. Und meistens wächst er auch….. aber oft könnte er besser wachsen, wenn einige grundlegende Dinge beachtet würden. Dabei ist es meistens nur Unkenntnis. 
Ich wollte schon lange mal zu dem Thema etwas schreiben, aber ohne Bilder ist das so eine Sache. Wenn ich bei meinen Kunden einen Baum pflanze, ist dafür einfach keine Zeit.
Bei den eigenen Kindern geht das schon eher…..

Nach reiflicher Überlegung soll nun ein Acer campestre -Feldahorn- als Hausbaum gepflanzt werden. Nicht zu klein, denn er soll auch bald Schatten auf die Terrasse werfen. Also wird es ein Acer campestre 20/25 m.Db. Das heißt er hat einen Stammumfang von 20 – 25 cm und eine Drahtballierung. Das ist dann schon ein recht großer Baum.

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Für mich ist die beste Pflanzzeit für Bäume und Gehölze immer noch der Herbst. Die Pflanzen haben keinen Stress mit dem Blattaustrieb und können noch eine ganze Zeit Wurzeln machen. Dadurch haben sie im Frühjahr einen besseren Start.

Im Frühjahr müssen sie Blätter und Wurzeln gleichzeitig machen und wenn es dann schnell warm und trocken wird gibt es oft Probleme.

Aber danach geht es ja nicht immer. Dieser Ahorn konnte erst im Mai gepflanzt werden. Da er schon Blätter hatte, wurde die Krone für den Transport in Folie eingepackt. Das verhindert schwere Blattschäden, die durch den Fahrtwind entstehen können.

Der Feldahorn ist schon ganz schön groß und hat einen schweren Ballen. Aber mit der richtigen Sackkarre bekomme ich den ganz gut bewegt. 

Und dann geht es ans Graben.
Faustregel: Doppelt so breit und doppelt so tief wie der Ballen ist.
Auf die Pflanzlochgröße lege ich viel wert. Je schlechter der Boden ist umso größer wird das Loch. Das kann dann auch schon mal 1m x 1m x 1m werden.

Für das Wachstum ist es wichtig, dass der Baum es, in den ersten Jahren, einfach hat Wurzeln zu machen. Nur dann kann er gut wachsen. Denn er braucht nicht nur Wasser und Nährstoffe, sondern auch Luft im Boden. Das wird oft unterschätzt. Vor allem bei Straßenbäumen. Da wird oft nur eine kleine Kuhle gemacht und der Baum vergreist mit der Zeit.

Zur Bodenverbesserung wird die Erde mit Kompost vermischt. Aber Vorsicht, nicht unter dem Ballen. Kompost braucht viel Luft zur weiteren Umsetzung und das ist unter dem Ballen nicht gegeben. Wenn die Erde zu schlecht ist, lasse ich einen Teil davon weg und nehme Pflanzerde mit dazu. Auch diese muss mit dem Boden vermischt werden!

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Ganz wichtig ist der Pflanzschnitt. Leider wird er sehr oft nicht gemacht.
Warum ist er so wichtig?
Zum einen rege ich damit den Baum zum Neuaustrieb an.
Und zum anderen nehme ich ihm Äste weg, um die er sich dann nicht kümmern braucht. Er hat somit mehr Kraft zum Wurzeln machen.
Im Frühjahr ist der Schnitt noch wichtiger als im Herbst. Besser weniger Äste, die gut versorgt sind, als viele Äste mit kleinen Blättern und vertrockneten Triebspitzen.

Wie viel ich weg schneide richtet sich auch nach der Baumart. Bei einem Amberbaum bin ich zurückhaltender als bei einem Ahorn.

Dann kommt in das zu tiefe Loch wieder Erde hinein. Das ist immer der Moment, wo die Gartenbesitzer, die das Loch nach meinen Vorgaben gegraben haben, etwas säuerlich gucken. Schließlich haben sie viel Arbeit mit dem Graben gehabt.

Mit dem Stiel der Schaufel und einem Stock überprüfe ich die Tiefe, damit der Baum nicht viel zu tief sitzt. Dann wird er hinein gerollt. Rollen ist schonender, für den Baum und den Rücken, als ziehen. Mit dem Ballenhaken geht das recht einfach.

Dann wird aus allen Richtungen geschaut, ob der Baum richtig steht…. wenn nicht…. muss er noch gedreht werden. Und bitte vorher die rote Fahne vom Transport abmachen. Da kommt man hinter her so schlecht dran…. ist mir alles schon passiert.

Wie tief darf der Baum jetzt im Loch stehen?

Der Boden unter dem Ballen ist sehr locker und wird im Laufe der Zeit zusammensacken. Dann stehen Bäume oft in Kuhlen und werden angefüllt! 
Das kann ein Baum ganz schlecht vertragen.
Bei einer Buche reichen 5 cm und sie bekommt eine Wuchsdepression. Junge Bäume, die zu tief stehen, überleben das oft nicht. Sie ersticken.
Deshalb sollten Bäume höher als das Gartenniveau gepflanzt werden. Mit dem Stiel der Schaufel kann ich das gut kontrollieren. Auch wenn es etwas merkwürdig aussieht… dem Baum geht es so besser.

Und dann kommt die Frage aller Fragen:

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Abmachen oder nicht abmachen ?

NICHT ABMACHEN !!!

Der Baum braucht den Drahtkorb und das Ballenleinen zur Stabilität. 
Zu dem Thema gibt es noch einen extra Beitrag, sonst wird es hier zu lang.
Wenn die Knoten des Ballentuches ganz dicht am Stamm sind, kann man sie lösen. Das gleiche gilt für den Zugdraht, wenn er dicht am Stamm sitzt.

Steht der Baum richtig im Loch, Gesicht nach vorne und in der richtigen Höhe, kann das Loch aufgefüllt werden. Dabei wird die Erde auch angetreten. Aber bitte mit Gefühl!
Dann kommt der Gießrand.
Und der kommt nicht irgendwo hin. Oder wird möglichst groß, damit viel Wasser hineinpasst.
Er kommt knapp über dem Ballen, damit das Wasser durch den Ballen läuft und nicht durch die locker Erde links und rechts am Ballen vorbei. Das hätte dann zur Folge, dass es um den Ballen herum richtig nass wird und der Ballen selber aber kein Wasser aufnimmt. Der Baum würde unter Umständen vertrocknen.

Das Wässern ist natürlich auch sehr wichtig. Beim ersten Mal wird eingeschlämmt. D.h. der lockere Boden wird richtig nass gemacht, damit eventuelle Hohlräume verschwinden. Erst danach wird der Gießrand angelegt.

Dann sollte der Baum lieber einmal in der Woche richtig durchdringend gewässert werden, als jeden 2. Tag ein bisschen. Das Wasser soll unter dem Ballen ankommen, damit dort die Wurzeln nach unten wachsen, um sich dort irgendwann selber Wasser zu holen.
Wie viel das ist, richtet sich nach der Bodenart. Im Sandboden sickert das Wasser schneller nach unten, aber der Boden kann es nicht speichern.
Im Lehmboden dauert es länger, bis es unter dem Ballen angekommen ist. Dafür wird das Wasser auch besser gespeichert.
Am besten ausprobieren und immer wieder  kontrollieren.

Die Baumpfähle kommen dann ganz zum Schluss. Immer in West/ Ost Richtung

Jetzt kann sich der neue Baum auch wohlfühlen.

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5 Kommentare zu „Ein neuer Baum zieht in den Garten ein…..

  1. Moin moin,

    Liebe Barbara.

    Ich möchte, als Erstes schreiben wie toll Ich es finde, das es noch Menschen gibt die Leidenschaft, Hobby und Arbeit verbinden konnten.

    Als Gärtnermeisternin hast du in deinen Artikel alles sachlich Schritt für Schritt und fachlich erklärt und machst dir deinem titel alle ehre.

    Ich und meine Frau planten für dieses Jahr einen Baum zu Pflanzen im Garten. Wir haben erst im Mai mehr Zeit für neue Sachen die wir versuchen werden zu machen.

    Dein Beitrag hat uns sehr geholfen zur verstehen auf was man achten soll.

    Ich habe eine Frage die Ich an dich richten möchte und sie lautet: Welche Bäume Art pflanzt sich am besten im allgemein Garten in Deutschland? Den wie du vielleicht erkannt hast kommen wir aus Nord Deutschland.

    Ich würde mich sehr über deine Antwort freuen, falls möglich.

    Ich wünsche dir noch einen wunderbaren Dienstag,

    bis zum nächsten Mal

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    1. Hallo Waldemar,
      das lässt sich nicht so einfach beantworten. Es gibt enorm viele Bäume und alle haben ihre eigenen Ansprüche.
      Es kommt auf den Boden, den Platz, das Gartenumfeld, die Intension, Laubart, Gestaltung, Farbe des Hintergrundes…….. an. Da kann ich von hier aus einfach keine Empfehlung geben, so gerne ich es auch täte.
      Am besten gehst du in eine regionale Baumschule und lässt dich dort gut beraten.

      Viele Grüße Barbara

      Gefällt mir

    1. Liebe Kristine,
      kannst Du mir das bitte näher erklären? Was hat das Öffnen des Ballentuches mit dem Wasser für die Feinwurzelanteile zu tun? Ich weiß, dass das Thema im Gartenbau kontrovers diskutiert wird. An neuen Erkenntnissen bin ich immer interessiert. Wir lernen als Gärtner schließlich immer dazu. Dafür brauche ich allerdings eine Erklärung…..
      Viele Grüße Barbara

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      1. In der Baumschule werden die Bäume gerodet, balliert und mit einem Drahtnetz umgeben. Das Ballentuch wird oben am Wurzelhals des Baumes gebunden. Darum liegt es an dieser Stelle mehrfach gewickelt um den Stamm. Wenn in der Baumschule fachgerecht der Baum “ umgeschult“ wurde, das heißt, mehrfach umgesetzt oder geschnitten, sodass er genügend Starkwurzeln bilden komnte, ist alles okay. Aber die Feinwurzelanteile oberhalb des Balkens sind oft gering. Wenn also das Ballentuch oberhalb sehr dicht ist, kommt sehr wenig Oberflächenwasser an die bei der Schnürung des Balkens an die Wurzeln. Die Feinwurzelanteile sind wichtig für die Kapillarwirkung und die Versorgung mit Wasser. Also, beim Baum pflanzen die kleine Mühe machen, oben das Tuch öffnen, es muss nicht entfernt werden, dann einen feinen Giessring mit Erdboden anlegen und gut wässern. Ansonsten war alles sehr toll beschrieben. Zufrieden? Liebe Grüße

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